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Was auch immer die Götter noch mit ihm vorhaben, das steht in den Sternen. Jedenfalls ist es bisher der Meeresgöttin Ran – eine liebenswürdige Legende verweist in der Herkunft des Ortsnamens auf sie - gelungen, den Schwarzwaldbuben Johannes King nach Sylt zu locken. Genauer nach Rantum, an die schmalste Stelle der Insel. Da kann er sich auf lukullisch-gastronomische Weise breit machen. Zwei Sterne hat sie ihm schon installiert, neben anderen glanzvollen Auszeichnungen. King, Jahrgang 1963, wollte früh raus aus seinem schwäbischen Bauernhof in Heiligenbronn, wo er inmitten seiner neun Geschwister eine herrliche, wenn auch arbeitsintensive Kindheit verbracht hat. Wenn die Klassenkameraden zum Baden gehen konnten, musste er mit anpacken, Stall misten, Beeren ernten, Steckrüben hacken. Das prägte seine Unbestechlichkeit, was die Qualität  ländlicher Produkte angeht. Und seinen Einsatz, sein Durchhaltevermögen.

Aus dem leichten Leben ist nichts geworden. Der Kochberuf, den er zunächst mehr zufällig wählte, ließ ihn alle Härten durchlaufen, die so unabdingbar mit dessen Krönung verbunden sind. Aus  der gediegenen Küche Baden-Württembergs mit ihrer raffiniert - französischen Anbindung  trieb es King nach seiner strengen Lehrzeit  durch renommierte Häuser in Köln (Franz Keller) und Berlin (Maitre, Zum Hugenotten, Grand Slam) über die Grenze in die berühmte Wiener Kurkonditorei Oberlaa und nach  Burgund (Patrice Barré). Dass er sich berufsmäßig je in die stürmische Einsamkeit einer flachen, im Norden liegenden Insel  begeben könnte, das wäre ihm im Traum nicht eingefallen. Ein Freund machte ihn auf das leerstehende Haus in den Dünen aufmerksam; aus alter Verbundenheit fuhr er hin - und  wäre am liebsten sofort umgekehrt. Unbewohnt, verfallen, eine Ruine. Irgendetwas - wenn es nicht die betörend-lockende Ran war! - ließ ihn trotzdem den Entschluss fassen, die Herausforderung anzunehmen, dieses heruntergekommene Anwesen  zu einem Schmuckstück der Gastronomie und Hotellerie aufzubauen. Den Söl’ring Hof (Söl’ring, Sylterfriesisch wird auf der Insel gesprochen). Seit 2000 ist der sympathische King Küchenchef dort, seit 2007 Hausherr eines Fünf-Sterne-Luxus-Landhauses. Ein reetgedecktes Anwesen, das prächtig und behäbig auf dem Dünenkamm ruht, all die abgehetzten Großstädter einlädt, und in das man sich verlieben muss.

„In einzigartiger Lage. Die Meere im Blick. Watt und Weststrand. Ebbe und Flut. Wind und Wellen. Der Horizont ganz weit. Der Genuss ganz nah. Hier ist Leben und Stille, Gleichklang und Gelassenheit.“ Ein Mann, der seine neue Heimat so beschreibt, muss in ihr verwurzelt sein. Er versucht das Schöne, das er gefunden hat, großzügig weiterzugeben. Zu seinem exquisiten Sternerestaurant -15 Tische, 40 Plätze - bietet er: Fünfzehn großzügig -luxuriöse Zimmer, inklusive zwei Suiten, mit viel Liebe zum Detail  individuell ausgestattet, hell, mit Meer- und Wattblick, manche behaglich mit offenem Kamin. Eine traumhafte Terrasse. Eine Kaminbar, in der man den Abend gerne ausklingen lässt. „Ein gläsernes Zuhause“ ist  sein Weinkeller, der 8000 Flaschen aus den besten Anbaugebieten beherbergt mit  einer stilvollen Degustationsstube, betreut vom Restaurantleiter und Sommelier André Baldauf. Wer nach Gaumenlust, nach stürmischen Spaziergängen in Salzluft und  Wattwanderungen wirklich reif für die Insel ist, der entspannt sich in einem feinen Wellnessbereich. Mit Sauna, Dampfbad, Solarium, Tepidarium (temperierter Abkühlraum), Eisgrotte und Fußreflexzonenbereich. Der Genuss scheint endlos in dieser dramatischen Szenerie, die Einssein mit Himmel und Erde fordert.

35 Mitarbeiter aus aller Welt verwöhnen  die maximal 30 Gäste mit der gleichen Sorgfalt wie King  und seine „Direktorin“ Claudia Reichelt. Zwei sich wunderbar ergänzende Menschen. Sie, gelernte Hotelfachfrau aus Neigung, sanft-gelassenes Pendant zu seiner eloquenten  Quirligkeit, beide leidenschaftliche Gastgeber. King legt Wert auf diese Bezeichnung. Die Gäste sind sehr persönlich aufgenommen, zu  Hause angekommen, „nur ein bisschen bequemer und vielleicht auch ein bisschen umsorgter, integriert in das Gesamtkunstwerk Restaurant“. Von dort aus können sie im visuellen Vorgeschmack die Bühnenartistik der Köche verfolgen. Keine hochnäsige Geheimnistuerei, sie nehmen Teil am fantasievollen Schöpfungsprozess. Zwischen Tradition und aufregender  Haute Cuisine, mit Akzent auf regionale und saisonale Kreationen. Wenn man Kings opulentes Kochbuch durchschmökert, schmeckt man das  Meer. Als Mitglied der Jeunes Restaurateurs d’Europe, mittlerweile den „alten“ Herren im Table d’Honneur zugehörig, bietet Johannes King für junge Leute unter 30  das preiswürdige Twenue zu 59 € an. Mit allem, was dazu gehört. Feinste Schulung für die Gourmets von morgen. Die Gourmets von heute schwelgen in Kompositionen wie Frikassee vom Salzwiesenhuhn (Lieblingsgericht von Johannes King) mit gebratenem Gugelhupf (dankbare Referenz an seine Mutter), vielleicht wählen sie vordergründig bescheiden die Rollmopskreation von der Rotbarbe oder schlürfen klassisch elegant Sylter Royal Austern oder was sonst an Erlesenem aufgetafelt wird, immer fachkundig beraten von der Weinbegleitung.

Im einschläfernden Rhythmus der Meereswellen mögen sie dann träumend die letzte Zeile der Sylter Hymne summen: Wü bliiv truu Söl’ring Liren, wir bleiben treue Sylter Leute. Johannes King ist längst ein Friese geworden.

Kontakt



Hotel Söl'ring Hof
Am Sandwall 1
25980 Rantum

+49 (4651) 83 62 00
johannes.king(at)dorint.com

www.soelring-hof.de