FINDEN SIE DAS BESTE RESTAURANT :

Villa Rothschild



Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen. Mit Frankfurt als vorübergehender westlicher Bundeshauptstadt des geteilten Deutschland.

 

Die Villa, der Sommersitz der berühmten Familie Rothschild in Königstein eignete sich perfekt als Tagungsort für die Parlamentarier, die hier nach dem Kriege ein Grundgesetz erarbeiteten.

Idyllisch und ruhig gelegen, nahe der heimlichen Metropole Frankfurt. Und sie hätte weiterhin so komfortabel ein Gästehaus der Regierung oder gar der Sitz des Bundespräsidenten sein können. Es kam anders. Bonn wurde Hauptstadt, bis 1990 Berlin die Rolle wieder übernahm.

 

Aber auch Königstein ging 1949 in die Annalen ein. Mit seiner Villa Rothschild als Wiege der Bundesrepublik; als Kinderstube gar, tituliert der Historiker Hermann Groß. Zum 60. Jahrestag von der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Prädikat Ort der Freiheit und Demokratie geehrt.

Und ganz sukzessive, aber hauptamtlich zum Feinschmeckerrestaurant von baronlichem Rang aufgestiegen.

 

Man kann sich vorstellen, wie der alte Amschel Mayer, ehemals kleiner Münz- und Wechselhändler in Frankfurt, der sich nach seinem Wohnhaus „Zum roten Schild“ Rothschild umbenannte, stolz und selbstbewusst auf die Entwicklung seiner Nachkommen schaut. Weit haben sie es gebracht, in den Glanz der großen Welt, eine Dynastie begründet.

 

Sein Enkel Wilhelm Carl ließ 1894 die Sommerresidenz im Taunus anlegen. Die ineinander verschlungenen RR des kunstvoll geschmiedeten Tores, durch das Parlamentarier, Prominenz und feinschmeckende Zeitgenossen schreiten, dokumentieren seine selbstbewusste Verfügung, dass nur Rothschilds Rothschilds ehelichen dürfen. Seine Gattin Hannah Mathilde, die Tochter seines Cousins, eine kunstsinnige Dame, berühmt für ihre Freundschaft mit Kaiserin Viktoria, hält mäzenatische Salons und Soirées ab. Schon damals ein erlesener Ort der Freiheit und Demokratie. Bis zur Emigration 1938.Die Villa allerdings wurde auf Anweisung des mutigen Bürgermeisters Müllenbach von einer entschlossenen Gruppe von Bürgern umstellt und somit vor der Brandschatzung bewahrt. Nach dem Kriege und der Übernahme von Georg von Opel konnte das Haus als Haus der Länder politisch korrekt aufblühen.

 

1955 erwarb die Stadt Königstein die Villa vom vormaligen Eigentümer Rudolf von Goldschmidt-Rothschild, dem sie gerechterweise zwischenzeitlich zurückerstattet wurde. Ein erstes renommiertes Hotel-Restaurant tat sich auf, der „Sonnenhof“, den die Schreiberin als ehemalige Königsteiner Schülerin nach dem Abitur als Belohnung beehren durfte. Man möge ihr nachsehen, dass sie dank der erwähnten gesellschaftlichen und politischen Ingre-dienzien, über Jahrzehnte hochgekocht, angereichert von Königsteiner Experten, nicht forsch auf das Herzstück, auf die Villa Rothschild als 5- Sterne Hotel und Restaurant zu sprechen kommt. Die historischen Basisgrundlagen feinster Provenienz wurden gemischt und gerührt und langsam auf kleiner Flamme zu einer Consommé reduziert.

 

 

 

 

Wie ein Kleinod liegt die Villa (Mitglied der exklusiven Gruppe der Leading Small Hotels of the World) in einem mit ehrwürdigem Baumbestand bestückten Park, der den Blick bis Frankfurt schweifen lässt. Baron Rothschild nutzte bereits im 19. Jahrhundert über chiffrierte Lichtsignale die Direttissima als Transfer für die Übermittlung der aktuellen Börsenkurse.

 

Die zwei Tannen, die die Kaiserin zur Einweihung geschickt hat, begrüßen heute noch die Gäste der seit 2007 neuen alten Villa Rothschild. Die übrigens seit Januar 2010 zum Portfolio der Kempinski Hotels gehört.

 

Im herrschaftlichen Luxus der geschmackvoll renovierten 22 Zimmer und Suiten mit ihren zeitgemäßen technischen Neuerungen, in edlen Marmorbädern, im Beauty-, Wellness- und Spa-Bereich, der mit einem Limousinen-Shuttle ins nahegelegene Schwesterhotel Falkenstein Grand Kempinski ausgedehnt werden kann, bei kulinarischen Events oder den ausgesuchten Literaturlesungen, ja, selbst im Arbeitsprozess innerhalb der vier historischen Tagungsräume, technisch vollausgestattet, wird man zur leichtfüßigen Hauptperson eines Märchens. Nicht nur beim Lustwandeln im Park.

 

 

Und dann die Küche! Endlich! Ohne Umschweife - wir verschieben den Ausflug in den herrlichen Taunus! - und lassen uns auf die Kreationen von Küchenchef Christoph Rainer ein. Während des Schreibens gelüstet es mich unbezwinglich nach seinem krossen St. Pierre Focaccia-„Sandwich“ mit Artischockennage und Pata Negra. Der edle Fisch kommt aus der Bretagne, die nahe Woog gebiert ihn leider nicht. Der empfohlene 2006 Pouilly Fume wird beim nächsten Besuch auf der Terrasse getrunken.

Christoph Rainers beruflicher Werdegang u. a. über Villa Hammerschmiede, die Residenz in Aschau, über Dieter Müllers Schloss Lerbach ist vielversprechend. Trotz einiger Pfannenschläge aus dem harten Köcheknigge liebt er die tägliche Herausforderung seiner Arbeit und vermittelt sie vorbildlich. Seine Philosophie ist so gelassen wie anspruchsvoll: Man kann nichts erzwingen. Immer mit Spaß, Freude und Geduld die Ziele angehen, die man sich selber steckt.

 

Wenn die Zusammenarbeit mit dem Besitzer, den Gastgebern des Hotels, mit seinem Service Team unter Restaurantleiter Arnaud Juillot und allen, die einen perfekten Ablauf stressfrei erscheinen lassen, weiterhin so angenehm wie kooperativ verläuft, dann leuchtet der Michelinstern, der gleich im Jahr nach der Eröffnung aufging, unverrückbar.

Man muss nicht zur Haute volee gehören, um in dem reizenden Boutiquehotel eine kleine Auszeit zu nehmen. Selbst Königsteiner feiern gerne Familienfeste in „ihrer“ Villa. Lockende Arrangements machen es möglich. Zur blauen Stunde entspannt es sich wunderbar in Tizians Bar mit ihrem herrlichen Panoramablick weit hinunter über die Mainebene. Das feine „Stöffche“ mit hessischem Zungenschlag vom Obsthof Schneider alterniert grenzübergreifend mit einem Chateau Lafite aus der rothschildschen Verwandtschaft.

Der Atem der Geschichte fließt befruchtend in die Gegenwart und eine hoffentlich lebenswerte Zukunft.

Das macht einen Ort zu einem Ort der Freiheit. Wir möchten ihn allen Menschen gönnen.

 

 

Autorin: Margret Buchner

 

 

Kontakt:

 

Villa Rothschild

Im Rothschildpark 1

61462 Königstein

 

Tel: +49 (6174) 2908850

Fax: +49 (6174) 2908888

eMail: info ( at ) villa-rothschild.com

www.villa-rothschild.com