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Röttele´s Restaurant & Residenz im Schloß Neuweier



Lorenzo will Nudeln mit weißer Sahnesauce. Und braunem Jus. Es gibt keine Sauce mehr, beklagt er sich beim Papa. Der nennt geduldig den und jenen aus seiner Küchenmannschaft, selbstverständlich hat einer der neun ein Herz für den siebenjährigen Sohn von Armin und Sabine Röttele. Die Welt ist wieder in Ordnung. Es hätte mich als Gast und unfreiwilligem Zuschauer auch verwundert.

Denn die beiden Rötteles wirken nach vornehmstem Gebot: Alles zu tun, dass sich alle wohlfühlen. Da haben sich zwei begnadete Gastgeber zusammen getan, in größtem Druck lächelnd Zeit zu haben. Getreu Rötteles Motto: Sorge dich nicht, lebe.

 

An einem Frühlingstag, der schlechtgelaunt mit Kälte und Regen trotzt, bin ich angekommen.

Das Wetter wird schnell unwichtig.

Im Schloss Neuweier, der alten Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert, eine der wenigen erhaltenen in Baden. Ursprünglich zur Verteidigung errichtet, öffnet sie sich gastfreundlich, heiter geliftet. Zwei kleine Kanonen als Ursprungszitate böllern höchstens die Nougat-Grießknödel heraus, eine blumengeschmückte Zugbrücke geleitet in den Patio. Keine steife Lounge, kein Kontrollstand als Empfangstresen. Links der Blick in die großzügige Küche, sanftes Anheben der Nasenflügel, der Duft verspricht Genuss.

Seit sechs Jahren kocht der Sternekoch Armin Röttele, geboren 1966 in Waldkirch, im wunderschönen Rebland, in Neuweier bei Baden-Baden. Unterstützt von seiner Frau Sabine, Hotelfachfrau, Sommelière, Hausherrin und Seele. Sie sind zurückgekehrt in die Feinschmeckerzunge Deutschlands, nach seinen Lehr- und Wanderjahren: Colombi, Freiburg; Traube, Tonbach; Fischerzunft, André Jäger, Schaffhausen; Jöhris Talvo, Roland Jöhri, St. Moritz. Prägend seine 10 Jahre als Chef im Tessiner Luxushotel Giardino. Diverse Stagiaire bei Dieter Müller, Peninsula in Hong Kong, Martinez in Cannes.

 

 

Keine Kosten und Mühen scheute Röttele, um das ehemals bekannte, langsam erstorbene Restaurant im Schloss Neuweier zum Leben zu erwecken. Mit der großzügigen Unterstützung der Frankfurter Eignerfamile Joos, die sich für die Ferienzeit ein kleines Refugium im Schloss ausgebaut hat.

Mut, Risikobereitschaft und unendlicher Einsatz zeichnen die Rötteles aus. Genug ist nicht genug. Die Rieslingweine aus den schlosseigenen Lagen, die Champions-League der deutschen Winzer, zwingen sie förmlich, ein Nachtquartier anzubieten. Nur über den kopfsteinigen Schlosshof, ein Nachtwächter würde die Idylle abrunden, begibt man sich beschwingt in die Residenz, das in südlichem Flair ausgebaute Gesindehaus. Seit einem Vierteljahr in der auffallend akzeptierten Testphase. Parallel zum Küchenkonzept: Italien trifft Deutschland.

 

 

Konterfeis von adeligen Namenspatronen ersetzen die Zimmernummern. Karl Theodor Knebel von Katzenelnbogen, seines Zeichens Schlossherr auf Neuweier und Domherr zu Mainz um 1609 überwacht meinen Schlaf. Die Rötteles selbst konzipierten die acht liebevoll komfortabel, hell in Naturholztönen eingerichteten Zimmer und zwei Suiten, verfeinert mit handwerklich originellen Unikaten aus Ascona. Ein Traum von einem Tageslichtbad. Die sanitär eher steinzeitlich bespielte Schreiberin inszeniert ihren individuellen Regentanz, spielt auf der Klaviatur der seitlichen Düsen, der schulterbreit wasserspendenden Kopfbrause, nicht gewillt, dieses Gemach je zu verlassen. Wer braucht schon einen Wellness-Spa-Bereich? Zumal Baden-Baden luxuriös und großflächig damit bestückt ist.

 

Aber das Menü im Rittersaal lockt. Ahnherren an den Wänden zeigen die Präsenz der historischen Wichtigkeit, ohne säbelrasselnde Nostalgie. Die Küche grüßt mit Ingwer-Karottensüppchen, formidable, nie feiner genossen, Salzmandeln, Honigsenfbutter, einem witzigen Sushisäbel, sie versöhnt den von der Reise irritierten Magen. Seeteufel auf Linsenrisotto: Da verschwinden die mittäglichen Raststättenlinsen als Irrtum. Aufmerksam schmecke ich mich durch Rötteles leichte italienisch-mediterrane Küche (Tagliatelle auf Morcheln) mit badisch inspirierten Aromen(zarter Frühlingssalat mit grünen Spargelspitzen) und durchaus üppigere Portionen (bretonische Lammschulter mit Tomaten-Parmesankruste), als es die aristokratische Schlankmacherküche postuliert. Dazu ein 2008er Mauerberg oder ich lasse mich einbuddeln in ein Fass Goldenes Loch-Grosses Gewächs. Sollte der Alkoholgenuss schon meinen Augenschein getrübt haben? Erleichtert erfahre ich, dass die Freundlichkeit der blondschopfigen Kerstin sich verdoppelt in ihrer Zwillingsschwester. Unaufdringlich der Service. Wie alles hier. Der maitre de cuisine verweigert die traditionellen honneurs am Tisch, er will sich das Lob nicht abholen, als Gastgeber begrüßt und verabschiedet er seine Gäste. Vielleicht führt er noch stolz durch den Weinkeller, das Weinmuseum und seine Showküche im Tagungsbereich. Wer möchte da über Halbleiterfertigungen und kapitalmarktfähige Strukturen grübeln?

 

Bescheiden nennt er sein vielgerühmtes, „der Welt bestes italienisches Kochbuch La cucina della Passione“ nachkochbar (Kleine Ofenkartoffel gefüllt mit Morchelragout).Er beweist, dass auch bei 80 Gerichten, die rausgehen, die Qualität hoch gehalten werden kann. Mit einer guten Brigade, mit Ruhe und Gelassenheit, mit einem gesunden Selbstbewusstein, ohne auf Sterne zu gieren. Wenn Köche den Standort Küche zum Kriegsgebiet erklären müssen, wie sollen dann Gäste in Frieden genießen?

 

Hier genießen sie alle, die Einheimischen, die Fremden, viele aus Russland. Seit der Zarenzeit beliebte Sommerresidenz. Alle leben garantiert gesünder im Schloss Neuweier mit den kulinarischen Sünden aus Rötteles Gourmetküche als Dostojewskijs Spieler, der sich im Rollen der Roulettekugeln ruiniert. Trotzdem dürfen sie als satte Zaungäste das Casino in Baden-Baden besuchen. „Au s Casino het derzu bitrait, dass ma Bade-Bade wit übers Badische usse kennt.“ Wie gemütlich klingt die Aussage, dass das Casino dazu beigetragen hat, Baden-Baden über die Landesgrenze hinaus zu kennen. Die Gäste dürfen sich in den bergauf-bergab Straßen und Gässchen tummeln, wie ich mit einem gemütlichen Polizisten, der den Vorruhestand ablehnt, auf ganz persönliche Streife gehen, die wunderbar erhaltene Stadt mit ihren kulturellen Verlockungen kennen lernen, sich ausdehnen bis ins Elsass und die Schweiz.

 

Und wieder heimkehren ins Schloss Neuweier zu Rötteles mit der beeindruckend alemannischen Herzlichkeit. Vielleicht bekommen sie dann auch weiße Sauce mit braunem Jus. Von einem der vielen guten Schlossgeister.

Autorin: Margret Buchner

 

Kontakt:

Röttele´s Restaurant & Residenz im Schloss Neuweier

Mauerbergstr. 21

76534 Baden-Baden

 

Tel: +49 (7223) 800870

@: info@armin-roettele.de

www.armin-roettele.de