Jens Rittmeyer verwirklicht mit seinem grossartigen Team den Anspruch, sehr gute regionale Produkte geschmacklich auf den Punkt zu bringen und modern zu präsentieren.
Geangelter Wolfsbarsch mit Dillemulsion, Queller, Krabben und eingelegter Zitrone.
Wenn Wolfsbarsch, dann nur noch geangelt. Ein sehr regionaler Gang mit Queller aus dem Wattenmeer und Krabben aus der Nordsee. Man schmeckt die See, und die leichte Säure der Zitrone passt perfekt. Ebenso die Wolfer Goldgrube von Sommelier Thomas Kallenberg.
Fantasievoll der Kohl- und Rübenacker mit Kalbsbries im Röstzwiebelsaft, sehr fein aromatisch abgeschmeckt. Dazu ein Gumpoldskirchner Cuvee.
Schulter vom Hereford-Rind 30/65 in Walnuss-Essigjus mit Steckrübe, Schüppling und Petersilie. Die Garmethode ist bemerkenswert: 30 Stunden bei 65 Grad! Man kann das Rind anders zubereiten, aber nie besser. Das alles ist sternewürdig.
Schon während seiner Berufslaufbahn waren Jens Rittmeyer die Sterne gewogen. 1975 in Halle/Saale geboren, treibt es ihn nach der Wende ins vornehme Baden-Baden, zuerst ins Allee-Hotel "Bären" und dann ins Restaurant „Stahlbad“ - mit brillantem Abschluss, lobt Port culinaire. Die Sterne-Gastronomie lockt: Peter Wehlauer im "Badischen Hof" und die harte Schule von Günter Scherrer in Düsseldorf, um dann 2001 für ein Jahr bei seinem großen Vorbild, Dieter Müller, zu arbeiten.
Während seiner acht Jahre in Portugal wird dort zu einem der besten Köche und holt seinen eigenen Stern, in Almancil an der Algarve. Seine Vita schreibe „ein bisschen Stern“ vor, „das wird eine Konsequenz unserer Arbeit sein“, formuliert Jens Rittmeyer nachdenklich, keineswegs verbissen. Und weiter: Wasser gibt Kraft.
An diesen kalten Märztagen schiebt das Wasser der Nordsee einer Bauchtänzerin gleich ihre Körperschichten unter den Eisschollen gemächlich hin und her, hin und her, ein meditatives Schauspiel während des exquisiten Frühstücks.
Bemerkenswert ist für die Schreiberin, die unverfälschte Produkte favorisiert und gerne gut isst, Jens Rittmeyers Zugewandtheit zur Gemüseküche. Den von Mutter und Großmutter angelegten Kindheitsgarten, mit allem was üppig wuchs und Früchte trug, hat er nie wirklich verlassen. Er ersetzt ihn durch die Wilde Kost aus Schleswig Holstein. Daraus kreiert er ein besonders leckeres 5-Gang-Gemüse-Menü, keineswegs genötigt vom Diktat zu kurz gekommener Vegetarier. Vielleicht sollten wir den Oberbegriff Gemüse aus seinem lästig gesunden Mustopf herausfiltern, denn légume, verdura klingt wie Rittmeyers Cevennenzwiebeln mit Bete und Rübchen im Röstzwiebelsud schmecken oder so aufregend wie seine Vielfalt vom Knollensellerie mit Haselnuss und Petersilie mundet. Knackig, pikant, veredelt mit dem geheimnisvollen Aroma des Meisters in dessen unverwechselbarer Handschrift.
Und das Dessert von Patissier Quirin Brundobler Blüten mit Rosé Champagne Cremesorbet und Orangenblütensud vereinigt sowieso alle Feinschmecker.
Die dürfen sich freuen auf die vielen Events, die das Hotel und Jens Rittmeyer auf die Beine stellt: Gourmet–Highlight am 16.April mit Dieter Müller, künstlerische Salons, die einmal im Monat das Budersand in einen luxuriösen Konzertsaal verwandeln und im November ein weiteres Ereignis: Das Festival der Sterne mit befreundeten großen Köchen.
Aber vielleicht legt die Schreiberin gänzlich ohne Außenprogramm am KAI 3 an, nur um in Jens Rittmeyers Köstlichkeiten einzutauchen. Sein gewinnendes Lächeln ist der letzte Gruß aus der Küche.
Autorin: Margret Buchner