Ich betrete einen schönen klaren Raum mit 10 weiß eingedeckten Tischen, begehrtes Sahnehäubchen ist ein Tisch im Erker. Da konkurriert der Blick mit dem Menüangebot.
Neugier macht Appetit. Bei dem aparten Buttersortiment mit knusprigen Minibrötchen- glutenunverträgliche Mägen bekommen nicht minder köstliches Brot !- muss ich mich zurückhalten, was schwer fällt bei der pikanten Stracciatella - oder der leichten Erdnussbutter mit zartem Knalleffekt. Denn auch dem molekularen Spiel ist der sympathische Koch mit seiner lebendigen Brigade durchaus gesonnen.
Jeder Stil ist recht, wenn das Ergebnis brilliert. Mir bereitet das Abarbeiten des Menüs Genuss. Es beginnt mit einem witzigen amuse aus Sushi mit Blutwurst, Knoblauchkirsche, Kaspressknödelchen. Dann eine kräftige Consommé vom Backhendl. Jakobsmuschel mit grünem Spargel und - Achtung Irritation! - Folie von Mittelrhein Rose. Hier ironisiert die Küche spannend ihren Anspruch „Bewährtes noch besser zu machen und “hoppla! „nicht durch Exotik zu glänzen“. Die weißfleischigen Medaillons vom Steinköhler (auch Kalmück genannt) mit Erdbeer-Soße (fein reduziert, selbst sprachlich), kernig und lecker. Charolais Rinderfilet, natürlich am Knochen gereift.
Ich switche durch die Menüs, „à la région“ und „Classik“, sieben-gängig. Auf das Dessert der quirligen Patissière muss ich leider verzichten. Dafür bleibe ich beim großen Gewächs der Bacharacher Wolfshöhle, 2006, trotz der Empfehlungen des engagierten Herrn Wölbert.
Ein rundum angenehmer Aufenthalt in den Silcher Stuben, gewürzt mit einer Prise zarter Verschwörung mit anderen Genießern. Man grüßt sich freundlich und interessiert sich für die abweichenden Gänge.
Und wir sind zusammen auf einen Digestif in „de Backes“, die kleine Kneipe in der Backstube eingelaufen, auf einen Espresso oder den köstlichen Haselnussschnaps. Meinen Respekt vor der charmanten Wirtin Gustl.
Zurück über den Burghof, den Kretschplatz. Nein, es gibt nichts zu „kretschen“, zu meckern, der Rhein macht’s möglich: Ursprünglichkeit, Lebensfreude und eine Feinschmeckerküche, der ich weiterhin viel Fantasie und größtmögliche Prosperität wünsche.
Autorin: Margret Buchner
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Romantik Hotel
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