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Plädoyer für die Apéritif-Karte

Autor Nachricht
Verfasst am: 25. 05. 09 [14:22]
merlan
Themenersteller
Dabei seit: 28.08.2007
Beiträge: 448
Wir haben das Thema schon einmal im Rahmen der "Elsbeeren-Story" von Müllerin angerissen. Ich möchte dazu aber gerne einen eigenen Thread aufmachen, um der Gastronomie ein Bedürfnis zu signalisieren. Vielleicht bekomme ich hier ja die eine oder andere Unterstützung und wir bewegen tatsächlich einmal ´was mit unserem in der Branche doch durchaus beachteten Forum!

Zu Beginn eines Restaurantbesuchs bekommen wir immer die gleiche Frage gestellt: "Darf es ein Apéritif sein?" Bei entsprechend positivem Gesichtsausdruck und einem Nicken zum "Gläschen Champagner" werden immer häufiger mehrere Sorten offeriert (gut so!). Die einen kennt man, die anderen nicht. Wonach soll man auswählen? Ist die Nr.3 ein Blanc de Blanc? Kostet der angepriesene Jahrgangs-Champagner ein kleines Vermögen? Ich weiß es in den meisten Fällen nicht, möchte es aber gerne wissen, bevor ich bestelle. Gut, nach der Cuvée kann ich noch fragen, aber nach dem Preis...?!

Wie bei jeder Bestellung, die durch "Angebot und Annahme" (man sehe mir den juristischen Jargon bitte nach!) zustande kommt, möchte ich auch beim Apéritif wissen, was genau man mir zu welchem Preis anbietet. Das ist beim Menü so, das ist beim Wein so! Warum nicht beim Apéritif? Es kann doch nicht sein, dass sich hier ein Feld etabliert, wo der Kunde/Gast sozusagen ins Blaue hinein bestellen muss und zum Schluss die Rechnung serviert bekommt. Das wäre nur dann akzetabel, wenn sich ein Durchschnittspreis für ein Glas Champagner gebildet hätte, z.B. zwischen 12€ und 14€. Das war vielleicht früher einmal so, als die Restaurants in der Regel nur einen Champagner glasweise ausschenkten. Das ist aber in der Top-Gastronomie schon lange nicht mehr der Fall; und die Preisspanne ist beträchtlich (neulich habe ich 32€ für ein "blind" bestelltes Glas Champagner bezahlt!). Ich begrüße die Vielfalt der angebotenen Apéritifs ausdrücklich, appelliere aber hiermit nachdrücklich an die Gastronomie, dem Gast per Apéritif-Karte auch eine reelle Wahlmöglichkeit zu eröffnen.

Beste Grüße, Merlan
Verfasst am: 25. 05. 09 [14:28]
zeitblom
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 136
merlan schrieb:

Kostet der angepriesene Jahrgangs-Champagner ein kleines Vermögen? Ich weiß es in den meisten Fällen nicht, möchte es aber gerne wissen, bevor ich bestelle. Gut, nach der Cuvée kann ich noch fragen, aber nach dem Preis...?!



Warum können Sie nicht nach dem Preis fragen?
Verfasst am: 25. 05. 09 [14:29]
morchel
Dabei seit: 16.11.2007
Beiträge: 0
Mit!


PS: Ich würde mir das übrigens auch für alles andere wie Wasser, Kaffee etc. wünschen.
Verfasst am: 25. 05. 09 [14:43]
merlan
Themenersteller
Dabei seit: 28.08.2007
Beiträge: 448
Zeitblom schrieb:

Warum können Sie nicht nach dem Preis fragen?

Können tu´ich schon, möchten möcht´ ich aber nicht!
Ist es nicht so, dass gerade die Preise in Restaurants eine eher diskrete Angelegenheit sind? Wann hört man denn tatsächlich an den Nachbartischen ein Frage- und Antwortspiel zu den erhobenen Preisen? Dafür gibt es doch Menü- und Weinkarten, wo alles verzeichnet ist. Also, warum nicht beim Apéritif?

Beste Grüße, Merlan
Verfasst am: 25. 05. 09 [14:43]
umueller
Dabei seit: 24.09.2007
Beiträge: 29
Lieber merlan,

Sie bringen es glänzend auf den Punkt.
Ich stimme Ihnen voll und ganz zu.

Unser persönlicher Rekord für ein blind bestelltes Glas Champagner liegt bei 35 Euro, was mich beim Servieren der Rechnung schon zum Schlucken brachte.

Um auf Nummer sicher zu gehen, bestellen wir mittlerweile fast nur noch Winzersekt zum Aperetif, da dieser im Zweifelsfall recht günstig und gut ist.

Restaurants sollte auch bewusst sein, dass sie mit solchen Blindbestellungen Gäste auch nachhaltig verärgern können.

Viele Grüße
Verfasst am: 25. 05. 09 [14:55]
fragolini
Dabei seit: 09.12.2006
Beiträge: 212

Ich bin da ganz einer Meinung mit Ihnen, geehrter Merlan.

Für mich stellt sich auch immer die Frage:
Muss es denn immer Champagner sein? Ein guter Sekt aus D oder einer aus dem Elsass oder von der Loire schmeckt mir persönlich genauso und tut auch dem Geldbeutel gut.
Auch ein wirklich trockener Sherry kann eine prima Einstimmung sein.

Eine Karte mit kleiner, aber feiner Auswahl, und eben nicht nur Champagner, wäre sehr wünschenswert.

35€ würden meine Laune nach dem Essen verderben.


Gruß!
Verfasst am: 25. 05. 09 [16:07]
quartalsesser
Moderator
Dabei seit: 13.06.2007
Beiträge: 173
Werter Merlan,

Ihren Vorstoß unterstütze ich gern. Ich könnte mir sogar vorstellen, das Aperitivangebot bei vorhandener Mailadresse des Gastes bereits mit der Reservierungsbestätigung zu übermitteln. Oder als kleines Kärtchen beim Einchecken ins Hotel. Oder ... wie auch immer; es sollte hier für kreative Restaurateure genügend Möglichkeiten geben, ebenso diskret wie elegant das Angebot zu annoncieren.

Grüße,
Q.

Verfasst am: 25. 05. 09 [16:11]
cynara
Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 142
fragolini schrieb:


Auch ein wirklich trockener Sherry kann eine prima Einstimmung sein.



Auf den sollten Sie evtl.auch verzichten, wenn Sie ihn im Fischers Fritz einnehmen. Der war zwar generös eingeschenkt, schlug aber mit 16 EUR zu Buche.

Mich freute es, die Weinkarten um die Aperitif/Digestiv-Blätter zu entstaubt zu sehen und eine eigene Karte zu einem logisch sinnvollen Zeitpunkt zu erhalten.
Verfasst am: 25. 05. 09 [20:31]
le_mink
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 513
Ein weiteres Argument für eine solche Karte drängt sich auf: Könnte das vielleicht das Angebot dieses Bereichs erweitern? Ich bin kein Freund übersüßter Fruchtsaft-und-Schirmchen-Getränke, fände es aber gerade in einem Haus mit kreativem Anspruch begrüßenswert, wenn man vom heute fast überall anzutreffenden *Schaumwein* (in seinen qualitativen und nationalen Varianten) wegkäme. Wir haben hier schonmal über T. Bühners Idee einer alternativen Menübegleitung (z.B. Tee statt Wein) gesprochen - gäbe es nicht Möglichkeit, etwas mehr Varianz anzubieten? Warum gibt es nicht häufiger einen "Hausaperitif", der von Sekt mit Holunder- oder Hibiskusblüte abweicht?
Insgesamt habe ich den Eindruck, dass gerade in diesem Bereich auch beim Service oft deutliche Wissenslücken bestehen - bis hin zum im Sternerestaurant servierten Port als trockenem Sherry (einmal erlebt). Fragen Sie mal in Ihrem Lieblingslokal, wo der Unterschied zwischen dem angebotenen Rieslingsekt und dem ebenfalls offenen Champagner liegt - die Antwort fällt sicher ganz anders aus, als wenn Sie fragen würden: "Zum Fisch lieber den Grünen Veltliner von Jamek oder Riesling von Dönnhoff?"
Verfasst am: 25. 05. 09 [20:45]
ifs2008
Dabei seit: 17.04.2007
Beiträge: 659
Ich finde das dezente Platzieren einer kleinen Apertifkarte durchaus begrüßenswert. Ist diese nicht da oder wird nicht gereicht, frage ich nach den Preisen (immer mit einem kleinen Lächeln, will ich ja etwas vom Hause).