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Meyers Keller - Joachim Kaiser, Nördlingen

Autor Nachricht
Verfasst am: 15. 07. 09 [21:16]
morchel
Themenersteller
Dabei seit: 16.11.2007
Beiträge: 0
Hallo, liebe Forumsteilnehmer,

ein Besuch bei Joachim Kaiser in Meyers Keller hinterlässt mich ratlos. Zwei Fragen quälen seither mein armes Hirn. A) Warum waren wir nicht schon früher da? B) Warum hat der Mann keinen Stern? Einer stünde ihm wirklich gut.

In einem wunderschönen Ambiente mit zweigeteiltem Konzept (Regional ländlich + „Feinschmecker“) verwöhnte uns Kaiser mit einem 9gängigen Menü, mit dem ich Sie nicht in kompletter Länge behelligen will. Jeder Gang anders, meist mit sehr individuellem Touch, und fast immer sehr überzeugend. Wenn uns im Gesamteindruck etwas gefehlt hat, dann war es beim einen oder anderen Gericht vielleicht ein Quentchen mehr Salz. Ansonsten gingen wir glücklich und überzeugt.

Unser beider Highlight: Ikarimilachs im Brennesselsud mit einem Nudelblatt. Ein Gericht zum Reinlegen, das in mir kindliche Emotionen hervorrief. (Das kann doch nicht schon aufgegessen sein. Gebt mir mehr davon!!!!) Der wunderbar zarte, leicht geräucherte Lachs lag auf einem cremig-spinatigen Brennesselbett. Der Traum war komplett von einem Nudelblatt verdeckt, das man durchstoßen musste, um an das wunderbare Innere zu kommen. Mit der Nudel ergab das Ganze eine Komposition, die geradezu wollüstig war. Allein für dieses Gericht würde ich wieder nach Nördlingen fahren.

Und da war noch diese Jakobsmuschel, die auf einem Pilzrisotto und einer Bleurre Rouge ruhte. (Bei Mo-Ma hatte sich noch ein Froschschenkel dazu gefunden, der aber eher als überflüssig empfunden wurde.) Das eher deftige Risotto ergab zusammen mit der süßlichen Beurre und der Muschel ein herrliches Ganzes.

Ein weiteres Highlight für mich: Heilbutt mit Gewürzcouscous und Orangensud. Außergewöhnlich! Ein Gericht, das von den Gewürzen her eher nordafrikanisch gehalten war und nach Zimt und Orangen duftete. Geschmacklich sehr intensiv, und es hat mir persönlich extrem gut geschmeckt. Vielleicht hätte eine Spur Schärfe noch den letzten Kick gebracht – sagt die Amateurköchin (ist also nicht weiter ernst zu nehmen). icon_razz.gif

Mo-Ma’s Glücklichmacher: Ibericoschwein mit Kellerschinken und Morchelsauce. Kaiser macht seinen Kellerschinken selbst und nach O-Ton Mo-Ma schmeckt dieser ähnlich wie Parmaschinken, nur seeeeeeeeeeeeeeeeehr viel besser. (Er hat das wirklich mit so vielen e’s gesagt, ich versuche nur wegen Abwesenheit korrekt zu zitieren.) Bei diesem Gericht tauchte mein lieber Gatte ab, sprach nicht mehr und aß nickend vor sich hin. Der Versuch, anschließend Kaisers Schinkenkeller zu plündern, wurde leider vom Hausherrn vereitelt. Mo-Ma wirkte geknickt. icon_cry.gif

Auch sehr interessant war übrigens das Carpaccio von der Königsmakrele im Gewürzsud (letzterer sehr aromatisch) mit Fenchel. Und da war auch noch der Ziegenkäse (nicht so mein Ding), der durch einen super-tomatigen Geleemantel in die für mich richtige Richtung gebracht wurde.

Das Dessert: Ein weiterer Traum. Zu einem herrlich cremigen und geschmacksintensiven Cassismousse gesellte sich ein sündiges Grand-Marnier-Eis und für die Optik noch eine Mandelhippe. Ein wunderbarer Abschluss.

Fazit: Ein Wohlfühl-Restaurant mit unprätentiöses, freundlichen Menschen, in dem wir sicher nicht das letzte Mal waren.

Herzlichen Gruß
Morchel
Verfasst am: 25. 07. 09 [18:43]
fragolini
Dabei seit: 09.12.2006
Beiträge: 212

Dankeschön Morchel für diesen Bericht.
Wollte ich schon längerhin, hat aber noch nie geklappt.
Ihre Infos wirken sehr anregend.

Gruß!
Verfasst am: 30. 08. 09 [17:17]
schlaraffenland
Dabei seit: 21.01.2007
Beiträge: 282
In der heutigen FAS steht ein Bericht über Meyers Keller, geschrieben von Peter Peter, dem Autor der lesenswerten "Kulturgeschichte der deutschen Küche".
Interessanterweise beschäftigt sich Peter zunächst damit, dass dort, wie ja in vielen anderen Restaurants auch, zweigleisig gefahren bzw gekocht wird. Einer regional inspirierten Küche steht die sogenannte Gourmetküche gegenüber.
Nach kleineren Kritteleien an der Gourmetküche beschreibt Peter dann die Regionalküche Kaisers nahezu überschwänglich ("Entzücken löst auch das Wildschweinbeuscherl aus. Solch eine rare Jagdinnerei lechzt nach deftigen Partnern-das saure Bohnengemüse bietet den Kontrapunkt, buttrige kleine Speckknödel besänftigen die gebeizte Kehle") - wobei seine einleitenden Worte, dass man als Testesser durch Modegerichte insgeheim gelangweilt sei, dem immer-wieder-mal-Essengeher ungefähr so vorkommen, wie wenn ein Kirchenmusikkritiker über das ewige Bachgedudel klagt.
In seinem Fazit heißt es dann, es werde eine ausgefallene regionale Küche zelebriert, wie sie in Deutschland selten sei, wobei die kreative Sensation eben nicht in der Kreativküche, vielmehr in der Landküche zu finden sei.
Vielleicht, so Peter, erleben wir ja bald ein regionales Degustationsmenü.
Diesem Wunsch schließe ich mich gerne an. Gerade in den ländlichen Regionen wünschte man sich öfter, eine unverwechselbare Küche vorzufinden; dazu braucht es viel Energie, um ausgezeichnete Produkte zu finden und einiges an Geisteskraft, um auf den imkleinenbootbeivollmondgeangeltenatlantikbutt zu verzichten.
Gruß s.
Verfasst am: 13. 09. 09 [17:46]
morchel
Themenersteller
Dabei seit: 16.11.2007
Beiträge: 0
Schlaraffenland schrieb:

Nach kleineren Kritteleien an der Gourmetküche beschreibt Peter dann die Regionalküche Kaisers nahezu überschwänglich


Liebe Forumler,

apropos regionale Küche ...

Ist eine Kirchweihente den Weg von Nürnberg nach Nördlingen wert? Fragen Sie Mo-Ma. icon_razz.gif

Nachgerade gierig leerte er den übervollen Teller und war gar nicht mehr so recht ansprechbar. Den angebotenen Nachschlag bei den Beilagen nahm er dankbar in Anspruch. Hausmannskost vom Allerfeinsten. (Die anderen Gäste schafften übrigens ihren Teller alle nicht. icon_eek.gif )

Ich selbst war mit meinem "Steckerlfisch", einer gebratenen Makrele mit Bohnengemüse und Kartoffelsalat, auch sehr glücklich. Frittierte Salbeiblätter verschafften dem Ganzen noch den letzten Kick.

Auch das regionale Restaurant in Meyers Keller ist für uns eine wirklich lohnenswerte Adresse.

Herzlichen Gruß
Morchel
(von Mo-Ma nicht, der verdaut noch. icon_razz.gif )



Verfasst am: 11. 11. 09 [09:16]
morchel
Themenersteller
Dabei seit: 16.11.2007
Beiträge: 0
Morchel schrieb:

ein Besuch bei Joachim Kaiser in Meyers Keller hinterlässt mich ratlos. Zwei Fragen quälen seither mein armes Hirn. A) Warum waren wir nicht schon früher da? B) Warum hat der Mann keinen Stern? Einer stünde ihm wirklich gut.


Herzlichen Glückwunsch! icon_razz.gif
Verfasst am: 11. 11. 09 [09:32]
wiwocinfo
Administrator
Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 394
Auch Sie liebe Morchel, sind ein wahrer Trüffelhund icon_wink.gif
Herzlichen Glückwunsch zur feinen Nase.
mfg Hannes Buchner
Verfasst am: 11. 11. 09 [19:15]
merlan
Dabei seit: 28.08.2007
Beiträge: 448
wiwocinfo schrieb:

Auch Sie liebe Morchel, sind ein wahrer Trüffelhund icon_wink.gif
Herzlichen Glückwunsch zur feinen Nase.
mfg Hannes Buchner

Das ist der Ritterschlag, liebe Morchel! icon_biggrin.gif
Und Herr Buchner geht zweifellos nicht verschwenderisch mit Lob um! icon_wink.gif

Beindruckt grüßt herzlich Merlan
Verfasst am: 11. 11. 09 [20:12]
morchel
Themenersteller
Dabei seit: 16.11.2007
Beiträge: 0
Ich fühl mich auch ganz erhoben ... icon_razz.gif