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Shane's Restaurant

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Verfasst am: 08. 11. 09 [15:33]
le_mink
Themenersteller
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 513
Holger Strombergs G-Munich hat einen Nachfolger gefunden. In der Geyerstraße kocht nun Shane McMahon, bisher nur über eine Kochschule in München bekannt geworden. Warum man trotzdem hin sollte? Weil der „Spitzenkoch“ über „langjährige Erfahrung“ im Tantris und im Königshof verfüge. So zumindest die Haus-PR. Also nichts wie rein!

Am Ambiente hat sich soweit wenig getan. Das etwas eigenwillige Monumentalgemälde an der Stirnseite wurde entfernt, die nun offene Bar tut dem Raum gut. Der Empfang ist freundlich, das Lokal halb gefüllt. Das Publikum hat sich seit Strombergs Weggang nicht geändert, auch die Karte liest sich fast wie beim alten Hausherrn: bunt, weltoffen, alles klingt nach Spaß ohne Sterne-Ambition. Dann die erste Überraschung seitens des Service mittels der Frage, ob man drei (38,-) oder fünf Gänge (52,-) wolle. Erst auf Nachfrage wird erklärt, dass das à la carte-Angebot an diesem Abend nicht gültig sei – aha. Also das Überraschungsmenü, dreigängig. Eine Aperitifkarte gibt es übrigens ebenfalls nicht, so dass der Gast sich von 15,- Euro für ein schlichtes Glas Pommery Apanage überraschen lassen darf. Auch das Amuse spart sich der Hausherr (aus guten Grund, wie wir später sehen werden). Immerhin gibt es gutes Kartoffelbrot mit Pesto.

Nächste Überraschung: Die Weinkarte. Ca. 20(!) Weine, darunter *viel* Südafrika, sowie ein deutscher, ein österreichischer und ein schweizer Weißwein; eine glasweise Weinempfehlung ist nicht möglich, da der Service die offenen Weine der Karte nicht kennt. Wohlgemerkt: Es wird zum Menü eigentlich eine separate Weinreise angeboten, die aber offenbar (wie die à la carte-Gerichte) nur in Ausnahmefällen und nicht an gastronomischen Schnarchtagen wie dem Wochenende angeboten wird. Also auf gut Glück einen Riesling gewählt, der sich im Nachhinein als Weißburgunder herausstellt, egal, zu dem Garnelen-Dim-Sum mit Sprossen, Zitronengrasschaum und Bockshorn-Beeren passt er irgendwie. Am Nachbartisch wird der gleiche Gang (Überraschung!) mit Jakobsmuscheln serviert, um anschließend (man hat dort fünf Gänge gewählt) noch einmal mit Dorade zu kommen – auf die verständliche Reklamation reagiert der Service stumm.

Zum Hauptgang gibt es „Wildschwein, Hirsch oder Rind“ – das weiß der Service (noch) nicht. Überhaupt setzt die für uns zuständige Dame sich nur auf vehementes Nachfragen mit dem auseinander, was sie serviert. Freiwillige Annonce – Fehlanzeige. So kommen dann auf Nachfrage „Kalbsbäckchen (o.k.) mit Pastinakenüree (gut) und Beluga-Linsen (zerkocht)“. Als der gleiche Gang zwei Tische weiter für fünf Personen serviert werden soll, erklärt eine Dame zur Überraschung des Services, sie habe doch das vegetarische Menü. Also wird der Gang der Dame "ein Haus weiter" serviert – sehr zur Verwunderung dieses Tisches, der noch nicht beim Hauptgang ist und (während der Gast mit dem „übrigen“ Rind notgedrungen speist) es auch weiterhin bleiben muss. Die Vegetarierin bekommt zum Ausgleich noch mal die Dim Sum – wahrscheinlich hatte sie vorweg Jakobsmuschel…

Der Rest ist schnell erzählt: Topfenknödel auf besserem Kantinen-Niveau als Dessert, Petits fours Fehlanzeige. Beim Zahlen überreicht man die Rechnung mit den Worten „Wollen Sie die behalten?“, noch bevor man Geld in die Mappe legen geschweige denn einen Blick darauf werfen konnte. Auf die Frage, wer den Service leite, wird erklärt, dass unsere wenig auskunftsfreudige Tischkellnerin Stacey die Restaurantführung innehabe. Dass sie Gabeln rechts und Messer links eindeckt, gehört wohl ebenso zu den Überraschungen des Lokals eines eines Tantris-Spitzenkochs wie das fehlende Bemühen, allen Personen an einem Tisch ihre Gänge gleichzeitig zu servieren.

Fazit: Je größer der PR-Rummel, desto geringer die Ausbeute. Nächstes Mal wieder GM statt Stadtmagazin.

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Verfasst am: 08. 11. 09 [16:46]
besseresser
Dabei seit: 29.01.2007
Beiträge: 125
Danke, werter le mink!

Genau aus diesem Grund meide ich Empfehlungen lokaler Postillen. Insbesondere ich München!

Dass es auch ganz anders geht, beweist einmal mehr mein Besuch in der Krone Herxheim letzte Woche (Pfälzer Stube)! Mehr Leistung für deutlich weniger Geld als in den meisten vermeintlich guten Adressen in München.

Weil mich der Mut trotz zahlreicher Entäuschungen (zuletzt Königshof) noch nicht verlassen hat und der Guide Michelin insbesondere im Bereich ab 2* als verlässlicher Begleiter gilt, werde ich demnächst das Abenteuer Dallmayr nicht scheuen - trotz deutlich kontroverser Stimmen aus meinem Bekanntenkreis! Die Neugier ist zu groß!

KG
Besseresser

Verfasst am: 08. 11. 09 [16:55]
sphérico
Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 481
Werter, armer le mink,
Sie haben hiermit mein mitgefühl. Ich wäre wahrscheinlich ausgerastet bei diesem Spannungsbogen der Unzulänglichkeiten. Wir können für unsere jeweils letzten Erfahrungen einen Thread "Pleiten, Pech und Pannen...muß man nicht mehr hin" aufmachen...
Haben Sie ob dieses Reinfalls mal weiter nachgehakt, z.B. beim Küchenchef oder der Restaurantleitung, persönlich oder per mail. Manche Gastronomen brauchen solch ein feedback ja, damit nicht noch mehr anbrennt.
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Verfasst am: 08. 11. 09 [17:03]
le_mink
Themenersteller
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 513
Werter besseresser,

wohnte ich nicht ums Eck, ich wäre nicht in dieses Haus gegangen. Angesichts der Leistungen jener Heerscharen ehemaliger Tantris-, Acquarello- und Winkler-Köche, die die sog. Münchener Szenegastronomie bevölkern,fragt man sich, wie deren Ziehväter einst mit solchen Mitarbeitern ihre Auszeichnungen (er)halten konnten. Da hier aber immer postuliert wird, man solle auch dem "Nachwuchs" eine Chance geben, verbuche ich es als Erfahrung, die ich gern mit Ihnenteilen wollte.

Ich freue mich auf Ihren Dallmayr-Bericht!
Verfasst am: 08. 11. 09 [17:22]
morchel
Dabei seit: 16.11.2007
Beiträge: 0
Lieber le mink,

sehen Sie's positiv: Die üble Erfahrung hat immerhin einen wunderbaren Bericht hervor gebracht. Ich habe sehr gelacht. icon_razz.gif

Schönen Sonntag noch,
Morchel
Verfasst am: 08. 11. 09 [19:00]
le_mink
Themenersteller
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 513
Sphérico schrieb:

Haben Sie ob dieses Reinfalls mal weiter nachgehakt, z.B. beim Küchenchef oder der Restaurantleitung, persönlich oder per mail.


Unter "normalen" Umständen hätte ich das direkt gemacht; die Restaurantleistung kam aber aus o.g. Gründen nicht infrage und während des laufenden Services den Hausherrn zur Rede zu stellen, hielt ich für unangemessen - gerade auch, weil ich Vergleich zu meinem Umfeld "glimpflich" davon kam. Da am Vegetarier-Tisch zudem eine Kollegin/enge Vertraute des Küchenchefs saß, die nach der Rinder-Pleite aufsprang und in die Küche stürzte(!), denke ich, dass eine Email ausreichend ist.
Verfasst am: 08. 11. 09 [19:45]
felixhirsch
Dabei seit: 02.02.2009
Beiträge: 83
war das der erste Tag oder was? Ist mir noch nie vorgekommen, aber ich muss Morchel recht geben: So lange man nicht selber in der Lage ist, liest es sich doch sehr amuesant.

Waer interessant zu wissen wie lang sich das haelt.
Verfasst am: 08. 11. 09 [20:17]
glauer
Moderator
Dabei seit: 14.12.2006
Beiträge: 329
Motto des irisch-österreichischen Spitzenkochs: "Just cook it"

Pressetext zur Eroeffnung. Unbezahlbar.
Verfasst am: 10. 11. 09 [01:08]
felixhirsch
Dabei seit: 02.02.2009
Beiträge: 83
Na wenn das mal kein Motto ist!