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Verfasst am: 03. 12. 07 [23:19]
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le_mink
Themenersteller
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 513
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Das Hotel "Steinernes Schweinchen" in Kassel beherbergt zwei Restaurants, die aus der gleichen Küche beschickt werden. Obwohl wir *nur* im Gourmet-Restaurant gegessen haben, sei auch das zugehörige Bistro wärmstens empfohlen, da ich beim Studium der Karte den Eindruck hatte, dass hier im Zweitlokal eben nicht "Resteverwertung" oder "Abfütterung auf hohem Niveau" betrieben wird, sondern ebensoviel Mühe auf die Karte verwandt wird wie nebenan. Aber dies nur am Rande.
Das Restaurant ist relativ klein, es umfasst 5-6 Tische im dezenten Kirschholz-Ambiente. Auffällig umfassend fielen die Grüße aus der Küche aus - drei Happen zum Apéro und anschließend sechsfaches(!) Amuse (zugegeben: das muss nicht sein). Auch wenn ich die einzelnen Bestandteile nicht mehr zusammen bekomme, blieb der Eindruck großer Sorgfalt und eines sehr intensiven Kalbsjus in Erinnerung. Letzterer begegnete einem in Folge mehrfach als dekorativ-gespritztes Element quer durch das Menü - wahrscheinlich fand ihn die Küche noch großartiger als wir.
Als ersten Gang des Menüs servierte man uns einen "Baumkuchen" aus Gänseleber, vulgo eine mit Kakaobutter bestäubte Schnitte auf Gewürzküchen, der ruhig etwas mutiger hätte gewürzt werden dürfen. Das Brioche dazu war große Klasse, das Feigengelee vielleicht etwas süß - Geschmackssache. Außerdem gab's noch einen sehr guten Gänselebertrüffel im Schwarzbrotmantel(?). Ein eleganter Saucenschlenker aus Kalbsjus macht das Ganze recht dekorativ - Geschmacklich war er keine Erweiterung des Gebotenen.
Als zweiten Gang schickte die Küche Königsberger Klops mit gebratenem Kalbsbries und Krustentiernage. Mir ist dieser Gang wieder etwas süß in Erinnerung - war da Honig im Spiel? Für mich auf jeden Fall der schwächste Teil des Menüs.
Zum Hauptgang gab's Bisonrücken ("Spezialität des Chefs", wie der Service versicherte) mit Garam-Masala-Linsen und Rotweinzwiebel-Raviolo. Das Fleisch war aus meiner Sicht perfekt gegart, der Raviolo wirklich gut und die Linsen im positivsten Sinne "interessant". Die Sauce hingegen wirkte seltsam vertraut.
Beim abschließenden Tonkabohnentörtchen mit gewagt klingendem Chicoree-Grenadine-Sorbet war das Eis vor allem wieder süß, das Törtchen hingegen eine echte Wucht! Espresso & petit fours ein sehr guter Abschluss eines netten Abends, an dessen Schluss der Chef seine Runde machte und sehr bescheiden(!) fragte, ob man zufrieden gewesen sei. Das hatte nichts, aber auch gar nichts vom Einsammeln von Lobhudeleien, die ich manch anderem Kollegen mitunter unterstellen würde.
Zum Service, den der Sommelier an diesem Abend allein bestritt, möchte man sagen: Gerne überall so! Der dezente Humor des Herrn war nie aufdringlich sondern traf immer genau ins Ziel. Wir waren sehr begeistert und fanden auch seine glasweise Begleitung des Menüs interessant. Daher würde ich das Lokal trotz kleiner konzeptioneller Schwächen in den Gerichten (starke Domoinanz des Süßen, Wiederholung des immmergleichen Jus) empfehlen - nicht zuletzt, weil Jürgen Richter in seiner Küche vielleicht auch mal ein Experiment wagt, dass man im biederen Kassel nicht erwartet. nach meiner Warte mehr als verdiente 15 GM-Punkte.
[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 03.12.2007 um 23:25.]
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Verfasst am: 04. 12. 07 [08:51]
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calvados*
Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 93
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le mink
Danke für diesen Bericht. Ich bezeichne das Steinernes Schweinchen als "mein Wohnzimmer" und Jürgen Richter hat die 16 GM Punkte verdient. Die Krönung wäre allerdings, endlich einen * über Kassel leuchten zu sehen.
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Verfasst am: 04. 12. 07 [15:41]
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John-Dory
Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 65
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Um es nochmal zu unterstreichen - es sind GM 16
Und sicher jeder einzelne punkt davon verdient.
@ le mink - Danke für diesen Bericht. Sollte Ihr Weg das nächste mal in ein nordhessiches Restaurant führen, bitte ich um erneuten
Bericht.
Gruß JD
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Verfasst am: 04. 12. 07 [16:08]
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le_mink
Themenersteller
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 513
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John-Dory schrieb:
Um es nochmal zu unterstreichen - es sind GM 16
Und sicher jeder einzelne punkt davon verdient.
@ le mink - Danke für diesen Bericht. Sollte Ihr Weg das nächste mal in ein nordhessiches Restaurant führen, bitte ich um erneuten
Bericht.
Gruß JD
Ich habe die 15 GM-Punkte dem 2007er-Führer entnommen und freue mich, dass Herr Richter noch weiter nach oben gestiegen zu sein scheint. Die Leistungen an dem beschriebenen Abend würde ich persönlich jedoch mit 15 Punkten bewerten.
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Verfasst am: 06. 12. 07 [11:19]
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fragolini
Dabei seit: 09.12.2006
Beiträge: 212
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Ich kann nicht ganz die Begeisterung teilen.
Zwar nettes ambiente und lockere, freundliche Bedienung.
Aber das Essen überzeugte mich nicht ganz.
Zwar gute Entenleber, aber langweiliger Fischgang. Der Bison war am Rand deutlich übergart. Ordentliches Dessert.
Wohlwollend würde ich 15 Punkte einschätzen.
Gruß!
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Verfasst am: 03. 01. 08 [19:00]
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calvados*
Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 93
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An alle Forumsteilnehmer die besten Neujahrs-Wünschen. Hoffen wir auf ein gutes Jahr 2008, sowohl in kulinarischer Hinsicht als auch im allgemeinen.
Der Sylvesterabend wurde wie in den vergangenen Jahren im Gourmetrestaurant „Steinernen Schweinchen „ in Kassel gefeiert.
Die Kritik vorweg: Ein gelungener Abend mit nur kleinen Schwachstellen, besser als in den vergangenen Jahren. Jürgen Richter scheint wieder Spaß am Kochen zu haben. Die 16 GM Punkte beflügeln anscheinend.
Das 6 Gang Menü plus Amuse Bouche einschließlich der begleitenden Weine sah wie folgt aus.
1. Amuse Bouche
Auster, ein Gläschen Lauch- Champagner Süppchen und eine kleine Kartoffel mit Kaviar.
Ein gelungener Auftakt. Dazu ein Glas Champagner Paul Herard. Am Tisch war man nicht begeistert über diesen Champagner.
2. 1. Gang
Marinierte Jacobsmuscheln mit Gänsestopfleber, kleinen Artischockensalat und Perigord-Trüffel, dazu eine 2005 Riesling von Robert Weil.
Die Leber etwas zu kalt. Die eigentlich übliche Toast Scheibe zur Leber fehlte. Der Wein passte perfekt zu den Speisen.
3. 2. Gang
Taubenbrust mit Rosmarin und Zimt geräuchert auf Innereicrouton und warmen Kirschessig.
Die Brust auf den Punkt gebraten, leider war von den Aromen wenig zu spüren, darunter litt auch der servierte 1999ziger Castano Dulce, Monastrell, Yecla.
4. 3. Gang
Angelwolfsbarsch auf der Haut gebraten mit Bouillabaisesaft und Pestocräcker.
Der Saft in einem separaten Schälchen serviert. An diesem Gang gab es eigentlich nichts auszusetzen, nur die Scheibe Fisch war doch sehr klein. Der Wein- ein 2006 Erdener Treppchen Riesling. Der beste Gang des Abends.
5. 4. Gang
Milchlammallerlei in der dünnen Fetthaut gebraten mit Banyuls - Graupenreduktion und Hummus dazu ein 1996 Barolo Cannubi DOCG.
Lammfilet und Carre auf den Punkt gegart, lediglich die Lammfarce in der Fetthaut hätte etwas länger im Ofen bleiben müssen.
6. 5. Gang
Fourme d`Ambert- Terrine mit Auberginen und Paprika-Kaviar dazu ein 10 Jahre alter Potwein. Es gibt bessere Käsegänge.
7. 6. Gang
Champagnerdessert „Rose und Weiß 2007/2208“, dazu wieder der Champagner von Paul Herard. Sorbet, Mouse und Gelee mit Früchten, Der Abschluss war der schwächste Gang des Abends.
Zwischen Fisch und Fleisch ein 1968 Calvados -herrlich-, als Abschluss ein Marillenbrand und Espresso.
Ein gelungener Abschluss des Jahres 2007.
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Verfasst am: 03. 01. 08 [20:44]
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le_mink
Themenersteller
Dabei seit: 05.12.2006
Beiträge: 513
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Klingt nach einem angenehmen Abend!
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Verfasst am: 04. 01. 08 [06:58]
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calvados*
Dabei seit: 04.12.2006
Beiträge: 93
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le_mink
Es war ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen.
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Verfasst am: 04. 01. 08 [16:04]
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freddy
Dabei seit: 04.01.2007
Beiträge: 38
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@calvados:
Herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Abend. Aber eine Frage bleibt: ist man in Kassel üblicherweise Toast zur Gänsestpofleber???
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Verfasst am: 07. 06. 09 [23:14]
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owagner
Dabei seit: 30.01.2008
Beiträge: 17
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Ich bin jetzt bereits einige Male auf der "Durchreise" im Gourmetrestaurant des steinernen Schweinchens eingekehrt, welches leider immer sehr schlecht besucht zu sein scheint -- umso komischer, als Jürgen Richter in Kassel und Umgebung ziemlich konkurrenzlos ist.
Ganz ordentliche Weinkarte (Begleitung wird auch angeboten), wechselnd aufmerksamer Service, schöne Präsentation mit einigen netten Ideen, so das in sechs Teilen inklusive einem Consommé im kleinen Einweckglas gebrachte Kaninchen oder das kleien Obstfondue mit Schokolade als Zusatzdessert.
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