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Wein- und Tafelhaus, Trittenheim

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Verfasst am: 16. 05. 09 [15:22]
morchel
Dabei seit: 16.11.2007
Beiträge: 0
Hallo, lieber Forumianer,

zum Schluss unseres Moselurlaubs beschlossen wir spontan, dem Wein- und Tafelhaus in Trittenheim einen Mittagsbesuch abzustatten. Trotz diverser Aufenthalte in der Gegend waren wir noch nie in diesem Restaurant, ein diffuses Bauchgefühl hielt mich immer davon ab. Zu Unrecht, wie wir inzwischen wissen.

Das Intérieur wirkte sehr angenehm, licht und geräumig, der Blick nach draußen fiel auf die Weinberge, genauer gesagt auf die Trittenheimer Apotheke. Der Service hatte eine ungezwunge Freundlichkeit und das Essen war den Stern wert, den Küchenchef Oos hat. Die Speisenauswahl bestand aus zwei Menüs und diversen A-la-carte-Gerichten, die sich teilweise auch in den Menüs wiederfanden. Wir entschieden uns für das kleine Menü, genannt „bodenständiges Menü“. Vier Gänge für 59 Euro. In Anbetracht dessen, was uns erwartete, ein reeller Preis.

Die Küche schickte einen mediterranen ersten Gruß in Form einer „Minipizza“ und einer Art Bruschetta. Danach folgten verschiedene Brotsorten mit unterschiedlichen Aufstrichen (Frischkäse, Tapenade und Traubenkernöl zum Dippen). Der eigentliche Gruß war bereits eine Kostprobe, was der Koch so kann. Ein Paprikasüppchen (herrlich geschmacksintensiv), ein Lachstartar und eine Tafelspitzsülze auf Linsen wurden serviert. Alternativ für letzteres gab es für mich eine Garnele auf asiatischem Gemüse. Vielleicht waren diese drei Komponenten einem Drei-Gang-Menü nachempfunden – es mag aber auch sein, dass ich da zu viel reininterpretiere. Geschmacklich insgesamt sehr fein.

Gang 1 des Menüs waren Saibling (gebeizt, geräuchert und als Tartar) und Spargelsalat – wunderschön angerichtet übrigens. Ich wiederhole mich: sehr fein. Was nicht zuletzt an den sehr guten Produkten lag.

Gang 2 kam als Spargelcrèmesüppchen mit Krustentierravioli. Hier fiel uns dann das erste Mal überdeutlich auf, dass es die Küche sehr gut mit ihren Gästen meint. Wow, was für ein Suppenteller! Bereits der erste Gang war uns als recht opulent aufgefallen, der zweite schloss nahtlos an. Geschmacklich war die Suppe wunderbar, sehr intensiv spargelig. So intensiv, dass die Ravioli ein wenig untergingen. Eigentlich hätte es sie auch gar nicht gebraucht, die Suppe stand auf eigenen Beinen.

Gang 3 für Mo-Ma: Perlhuhnbrust mit Kohlrabi und Kartoffelpaunzen (eine Art Gnocchi). Er sagt: „Solide Hausmannskost im besten Sinne.“ Auch wenn der geneigte Leser es kaum glauben mag, Mo-Ma stöhnte ob der Portionsgröße!!! icon_eek.gif

Gang 3 für mich war gleichzeitig mein Menü-Highlight: Seezungenröllchen mit Spinat und Pommerysenf-Sauce, dazu Kartoffelmousseline. Abgesehen davon, dass ich es ein wenig affig finde, ein wirklich sehr gutes Kartoffelpüree als „Mousseline“ zu bezeichnen, war ich mit diesem Gang hochzufrieden. Die Seezunge war wunderbar zart, der Spinat umschmeichelte sie förmlich. Die Sauce brachte den letzten Kick. Wirklich sehr schön.

Gang 4 war – nach einem kleinen Joghurt-Pre-Dessert – dann für das Dessert reserviert und nannte sich Sorbetteller. Für uns der schwächste Gang, weil im Vergleich zu den anderen Gängen ein wenig langweilig.

Insgesamt ein wirklich gutes Essen, dass seinen Preis wert war. Zumal auch die Preise für Getränke sehr moderat kalkuliert sind. Für ein Glas feinherben Riesling von Grans-Fassian sind 4,80 Euro wahrhaftig nicht viel. Weine der Region sind allesamt auf der Weinkarte extrem fair bepreist und liegen nur wenig über dem Einkaufspreis. Da gab es beispielsweise einen Riesling von Fritz Haag für knapp über 30 Euro. Wo gibt es das sonst? Auffallend übrigens auch das recht umfangreiche Angebot an halben Flaschen.

Apropos Wein: Eine Fundgrube für Moselwein-Liebhaber ist die dem Haus angeschlossene Vinothek, in der es alle Weine der Weinkarte zu kaufen gibt – und das ebenfalls zu sehr guten Preisen. Und hier liegen sie dann alle versammelt, die in der Region Rang und Namen haben. Haag, Haart, Prüm, Clüsserath-Weiler, Molitor, Kuntz, Egon Müller, van Volxem und und und. Wer hier einkauft, spart eine Menge Zeit und Benzin.

Es sind nicht alle ganz großen Weine der Topwinzer erhältlich, aber eine repräsentative Auswahl und das zu Gutspreisen – mit dem Vorteil, dass man hier im Gegensatz zu den meisten Topgütern auch als Endverbraucher einkaufen kann. Uns packte im Laden ehrlich gesagt die Raffgier, die wir allerdings in Anbetracht unserer schon vorher getätigten Einkäufe zügeln mussten. Aber das ein oder andere Fläschchen fand dann doch noch Platz im Kofferraum. icon_wink.gif

Fazit: Ein lohnender Besuch, der die Erwartungen an ein *-Sternehaus voll erfüllt. Und ein wirklich empfehlenswertes Schnäppchen für Weinliebhaber der Region. Denen retten die Gästezimmer des Hauses unter Umständen den Führerschein.

Herzlichen Gruß
Morchel (Mo-Ma wie immer als Souffleur)