Im Juli 2023 waren wir mit dem Gourmet-Club in Kopenhagen. Zum Reiseprogramm der Gruppe gehörten die Restaurants Jordnaer, Geranium und Alchemist. Im Rahmen der Reise haben Teilnehmende weitere Restaurants besucht und darüber Berichte in unserem Forum veröffentlicht:
Restaurant-Kritik
Geranium, Kopenhagen
Dänemark, Kopenhagen, Forum
„Auch wenn noch Fisch und Seafood im Menü ist, stehen in dieses Mal im Geranium Gemüse und Kräuter klar im Vordergrund, so dass es fast wie ein vegetarisches Menü wirkt. Eiweiß ist auf ein Minimum reduziert und kommt mehr in den Saucen, denn als pures Produkt auf den Teller. Beeindruckend ist, wie präzise die Gerichte ausgearbeitet und die Feinheiten zu schmecken sind. Auch wenn es dem ein oder anderen Gang gut täte, wenn er ein oder zwei Bissen größer wäre, damit man die Details noch besser erfassen könnte, gelingt es, sehr viele Reize zu setzen. Das lässt aber auch alles sehr „vernünftig“ wirken. Ich vermisse schon ein wenig ein oder zwei Gaumenschmeichler-Gänge, wie den Marbled Hake. Sicher, dieses äußerst filigrane Menü würde dieser Klassiker des Hauses aus der Balance bringen – die Balance ist nämlich herausragend. So perfekt, wie die einzelnen Gerichte, ist auch der Menüaufbau. Die Aromen steigern sich langsam in der Intensität und die Textur der Gerichte wird langsam immer fester, um dann in einem extrem feinen, rein vegetarischen Gang zu münden, der einerseits fast wie ein Nichts schmeckt, andererseits aber herausragend viel Geschmack hat. Das Gesamtpaket Geranium ist weiterhin absolut stimmig. Die Gerichte sind makellos und einzigartig und an Präzision nicht zu überbieten. Noch „vernünftiger“ sollte es aus meiner Sicht aber auf keinen Fall werden, sonst ist meines Erachtens der Punkt überschritten, dass es zu glatt wird.“ (Veröffentlicht im Oktober 2024)
"Insgesamt war das ein sehr gelungener Lunch im Brace. Die Gerichte sind akkurat zubereitet und gut abgestimmt. Sie treffen den Punkt zwischen italienischem Wohlgeschmack und nordischem Produktfokus. Das macht Freude und wirkt sehr unaufgeregt. Es wäre also schön, wenn das angekündigte Brace 2.0 dort anknüpfen könnte." (Veröffentlicht im Juni 2024)
"Mir scheint, Eric Vildgaard dreht an der ein oder anderen Schraube in Balance zwischen Produktfokus, Filigranität und Komplexität. Aus meiner Sicht waren die Gerichte des letzten Menüs „perfekt“ und ausgereizt. Durch eine zusätzliche Facette, die gerade die großen Gänge nun haben, ist der Produktfokus etwas unschärfer als bei meinem ersten Besuch. Durch die Veränderungen wird vermutlich versucht, „den nächsten Schritt“ zu erreichen, hat bei der etwas höheren Komplexität aber noch nicht wieder das gleiche Perfektionsniveau erreicht. Zudem sei ganz bewusst weniger Kaviar im Menü als früher – ihr Mann wolle nicht nur als Kaviar-Koch gelten, sagte mir seine Tina Kragh-Vildgaard, als ich danach frage. Manchmal resultiert aus einem Seitwärtsschritt ja ein großer Schritt nach vorn. Die Chancen dafür stehen gut. Denn wenn ich den Vergleich zwischen dem ersten und dem zweiten Besuch mal beiseitelasse: dieses Menü war große Klasse. Beste Produkte. Präzises Handwerk und feine Aromen kennzeichnen alle Gerichte. Das ist im wahrsten Sinne Haute Cuisine. Sie macht Lust in die Tiefe zu schmecken, bietet aber auch gleichzeitig Momente, sich einfach nur fallen zu lassen." (Veröffentlicht im Februar 2024)
"Das Menü hat mir durchweg sehr gut gefallen. Für umgerechnet weniger als 100 Euro erhält man hier von vorn bis hinten gut komponierte und optimal zubereitete Gerichte, die einfach Freude machen. Das Menü bringt die moderne dänische Küche gut auf den Punkt: heimische Produkte werden hier mit kompositorischem Fingerspitzengefühl mal mehr, mal weniger ungewöhnlich kombiniert. Das erzeugt nicht alltägliche Geschmacksbilder – vor allem beeindruckt mich aber die Präzision der Umsetzung, vor allem wenn man bedenkt, dass hier neben den Menüs noch die Smørrebrøds a la Carte zubereitet werden müssen. Eine absolute Empfehlung, wenn man in Kopenhagen auch mal einigermaßen budgetfreundlich essen möchte." (Veröffentlicht im September 2023)
Restaurant-Kritik
Kadeau, Kopenhagen
Dänemark, Kopenhagen, Forum
„Die Küche des Kadeau wirkt, verglichen mit manchem anderen Kopenhagener Top-Restaurants, mehr ‚down to earth‘ und weniger auf Hochglanz poliert – ohne es an Feinheiten und Finessen fehlen zu lassen. So fehlen hier auch rustikale Elemente nicht. Sie sind die, die mir besonders viel Spaß machen – vielleicht auch weil es etwas im Kontrast zu manchen anderen Top-Restaurants in Kopenhagen steht. Die Hauptprodukte werden mit ihrem unverfälschten Eigengeschmack auf den Teller gebracht. Eine besondere Rolle spielt hier der Geschmack von Früchten und Blüten. Der ist deutlich schmeckbar. Das fängt vielleicht den Geschmack Bornholms ein und lässt manche etwas exotischere bzw. ungewohnte Kombination entstehen. Die Balance der Aromen stimmt durchweg. Sie wirken nicht forciert, sondern ruhen trotzdem in sich. Auch der Service machte einen souverän-unangestrengten Eindruck. So wünscht man es sich als Foodie – hier wirkt alles etwas skandinavischer und „heimischer“ als in den Drei-Sternern oder dem Alchemist mit ihrem globalen Publikum, obwohl auch hier sicher viele nicht-nordische Gäste speisen. Ein wenig fühle ich mich sowohl vom Küchenstil als auch durch die schöne Inneneinrichtung mit viel Holz an den Oaxen Krog erinnert, damit ist das Kadeau vielleicht besser zu vergleichen als mit den anderen Restaurants in Kopenhagen.“ (Veröffentlicht im April 2025)