Im April 2024 waren wir mit dem Gourmet-Club in Paris. Zum Reiseprogramm der Gruppe gehörten die Restaurants Plénitude und Le Cinq. Teilnehmende haben das Programm um weitere Restaurantbesuche ergänzt und haben darüber in unserem Forum berichtet:
Restaurant-Kritik
Arpège, Paris
Frankreich, Paris, Forum
„Keine Frage: das L’Arpège ist der Gemüseklassiker. Alain Passard hat offensichtlich ein festes Set an Gerichten, die er sehr gut an die tagesaktuelle Ernte anpassen kann. Dadurch brauchen die Gerichte gewisse Spielräume für unterschiedliche Zutaten. Das tun sie auch. Handwerklich ist alles sehr gut umgesetzt. Grundsätzlich sind die Strukturen der Gerichte, was Harmonien und Texturen angeht, klassisch. Daher ist alles sehr wohlschmeckend, der Fokus auf Gemüse gibt dem Menü etwas Ungewöhnliches und Spezielles, das sich vom Purismus moderner Gemüsekreationen unterscheidet. Gerade zum Lunch – auch angesichts des Menüpreises – lohnt sich meiner Meinung nach der Besuch besonders.“ (Veröffentlicht im Januar 2025)
Restaurant-Kritik
Plénitude, Paris
Frankreich, Paris, Forum
„Der Grad an Perfektionismus von Küche und Service im Plénitude ist beeindruckend. Die Gerichte sind komplex zusammengesetzt, wirken aber gar nicht überkonstruiert. Vor allem sind es die Proportionen, die auf den Punkt genau sind. Das Konzept, dass die Saucen die Gerichte gestalten, wird hier zelebriert – auf dem Teller und es wird vom Service immer wieder mit viel Poesie betont. In jeder Annonce findet unser Hauptkellner ein neues Verb, was die Sauce mit dem Geschmack macht. Mal unterstreicht sie, dann hebt sie hervor, dann betont sie, dann begleitet sie das Hauptprodukt. So poetische Beschreibungen von Gerichten lenken die Aufmerksamkeit des Gasts und lassen mich schwelgen. Interessant ist aber auch, dass die Saucen allein gar nicht so lecker zum Weglöffeln sind. Der Grund ist ihre durchaus markante Säurestruktur, die sich natürlich von Sauce zu Sauce und von Gang zu Gang unterscheidet, aber stets eine Spur kräftiger ist, als es in der klassischen Küche erwartet werden würde. Das gibt den Gerichten trotz der Cremigkeit der Saucen einen insgesamt leichten, frischen und modernen Charakter. So ist alles einfach perfekt abgestimmt.
Obwohl hier vom Timing alles perfekt zu laufen scheint, gibt es am Ende doch einen kleinen Kritikpunkt: zumindest der Hummer und der Hauptgang hätten besser auf wärmeren Tellern angerichtet werden sollen, um die Serviertemperatur, die stimmte, länger halten zu können. Bis bei sechs Leuten alles am Platz ist und Saucen angegossen und dann bisweilen zwei verschiedene Gerichte annonciert sind, vergehen – ausweislich meiner Foto-Zeitstempel – zwei Minuten. Zwei Minuten Wärme, die dann bei den letzten Bissen merklich fehlen. Das ist einerseits schade, andererseits auch beruhigend, denn bei all der Perfektion gibt dieser kleine Kritikpunkt dem Plénitude einen Touch mehr Menschlichkeit.“ (Veröffentlicht im Januar 2025)
Restaurant-Kritik
Le Gabriel, Paris
Frankreich, Paris, Forum
„Das Menü von Jérôme Banctel bietet zumindest im salzigen Bereich durchweg eine Drei-Sterne-Leistung. Hervorzuheben ist seine Gemüsezubereitung, die klassische Geschmacksfülle und modernen Purismus sehr harmonisch zusammenführt. Die Fischgerichte – vor allem die warmen – sind tadellos zubereitet und hervorragend, aber etwas konventioneller kombiniert und haben damit eine klassischere und nicht ganz so individuelle Handschrift. Den Dessert-Bereich würde ich als eine Stufe schwächer bewerten als die salzigen Gänge. Auch angesichts des Preises ist das Le Gabriel auf jeden Fall eine Empfehlung und eine Alternative zu den großen Drei-Sternern, zumal man hier an luxuriöser, klassischer Atmosphäre im Gastraum und bei der Qualität des Service keine Abstriche zu machen braucht. Die Servicemitarbeiter sind durchweg mit professioneller Lockerheit, Sicherheit und Eleganz bei der Arbeit, sodass dies wirklich ein genussreicher Mittag war.“ (Veröffentlicht im Dezember 2024)
„Yannick Allenos Küche ist deutlich puristischer geworden. Sie ist technisch hochpräzise. Mehrfach erfordert es ein perfektes Timing im Serivce, um die Gerichte optimal an den Tisch bringen, was an diesem Abend tadellos gelingt. Der Stör und das Bries setzen für mich auch Geschmacks-Maßstäbe. Alle Gerichte sind fein bis subtil und sehr präzise gestaltet. Ich war sehr zufrieden mit dem Menü und an einem anderen Ort wäre ich vielleicht sogar begeistert, Aber ein wenig Herzenswärme fehlt dann doch. Da ist wenig aromatisch generöses, alles wirkte eher vernünftig und sachlich, fast ein wenig frugal.“ (Veröffentlicht im Juli 2024)