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Hotel des Monats

arrow left August 2012: Schlosshotel Kronberg, Schlossrestaurant Kronberg, Kronberg, Deutschland arrow right

Kontaktdaten

 
Hotel: Schlosshotel Kronberg
Adresse: Hainstr. 25
61476 Kronberg
Küchenchef: Christoph Hesse
Küche: Internationale
+49 (6173) 70101
+49 (6173) 701267

Es erfüllt sich ein Kindheitstraum. Einmal im Schlosshotel Kronberg zu dinieren. Auf ihrem Schulweg von Frankfurt nach Königstein fuhr die Schreiberin durch das schöne Taunusstädtchen Kronberg. Aber das Schloss blieb ihr seltsamerweise verwehrt. Dafür übernachtet sie jetzt dort. Und diniert. Im 5-Sterne-Luxushotel. Romantisch gelegen, auf einem Hügel im weitläufigen Park.

Ein paar Geschichtsdaten stehen vor dem Genuss: Victoria Kaiserin, die sich nach dem Tode ihres Gemahls, dem nur 99 Tage Kaiserzeit beschieden war, fortan mit seinem Namen Friedrich nannte, Tochter der berühmten Königin Victoria von England und Mutter des letzten Kaisers Wilhelm II., hatte sich das Schloss 1893 im neugotischen Tudorstil als Witwensitz nach eigenen Plänen erbauen lassen. Wie eine Druse öffnet es sich, am verregneten Sommertag besonders verheißungsvoll, seine Kostbarkeiten preisgebend. Dank der Hessischen Hausstiftung, die Familienstiftung der Landgrafen und Prinzen von Hessen, befinden sich noch große Teile des ursprünglichen Mobiliars und Kunstwerke der Kaiserin in den Räumen des Hotels, um „Kulturgüter des Hauses Hessen, die im Laufe von über acht Jahrhunderten zusammen getragen wurden, im Interesse der Allgemeinheit zu erhalten“. Die umfangreiche Bibliothek - Kaiserin Victoria war eine sehr belesene Frau - wird heute für Konzerte und Lesungen genutzt. Damit sind wir in der Gegenwart, die heiterer und beschwingter daher kommt als man es von einem ehrwürdigen Schloss erwartet.

Das beginnt beim Herzstück der Gastlichkeit, bei der Küche und erstreckt sich im breit gefächerten Angebot des Schlosshotels, seien es die zahlreichen kulinarischen Events wie die Verkostung von Gourmetbieren, die Trüffelwochen oder der Brunch an den Adventssonntagen. Ebenso in den Genuss der Kochkünste von Oliver Preding kommt man, wenn Sie in einem der ehemaligen Festsalons der Kaiserin zur Tagung oder zum Bankett zu Gast sind.

Gut hat Hoteldirektor Franz Zimmermann dran getan, Oliver Preding, *1972 in Hanau, aus Wien ins Schlossrestaurant Kronberg zu holen. Wie spannend, ein Koch, der nicht vorbelastet ist mit Sternen und Auszeichnungen! Preding - er nennt sich selbst ein unbeschriebenes Blatt! - lernte im Holiday Inn Crowne Plaza, Frankfurt, kochte im Kempinski, Hamburg, ging zurück zu Steigenberger, Frankfurter Hof, dann weiter nach Wien. Willensstark wie er ist, hatte er mit 27 Jahren seinen Küchenmeister in der Tasche.

Nach einer jahrelangen Durststrecke sprudelt jetzt ein lebendiger Quell in der Küche. Die junge, unter Teamplayer Preding gleichberechtigte Brigade von maximal 18 Köchen, muss alles, aber auch alles bewerkstelligen, was ein Haus dieser Provenienz an Lukullischem aufzubieten hat. Und das tun sie mit Spaß, wie man sehen kann. Da werden junge Familien, ausländische Gäste und kalorienbewusste Businessmenschen mit den aristokratischen Stammgästen gleichwertig zufrieden gestellt: Chateaubriand goutieren fleischeslustige Hardliner so genüsslich wie die Schreiberin mit ihrem Bruder das Linumer Kalbsfilet „Rossini“ im hauchdünnen Strudelteig mit Entenleber, fein akzentuiert, und Trüffeljus, bissfest geschmortem Kohlrabi und sautierten Pilzen.

Vegetarier kommen nicht zu kurz, Preding beherrscht die Kunst der Gemüsezubereitung - und er ist endlich ein Gourmetkoch, der die Kartoffel liebt. Als persönliches Lieblingsgericht das Frankfurter Kartoffelgemüse, im Gourmetmenü kredenzt er Kartoffel Dauphine, Pommes Macaire und für den Gast in der Lounge leckere Pommes neben einem stattlichen Hamburger, mit hausgemachtem Ketchup. Voila, die volksmundige Seite der Feinschmeckermedaille.Preding hat keine Berührungsängste, er kocht sowohl als auch, fein wie es die ambitionierte Küche gebietet: Elegant, mit einer Wantan-Rose gekrönt kommt die vietnamesische Pho-Suppe vom Ochsenschwanz. Der Steinbutt sous-vide mit bissfestem Hummer, sehr gelobt vom Bruder, ansonsten Verweigerer von „Seegewerm und Schnecke“*, wird von einem Petersilien-Dominostein aus aufgeschlagenem, sepiagetauchten Biskuit begleitet.

Zum Dessert eine grüne Girlande aus mariniertem Avocado, Melone, Basilikumcrumble und Sake Eis. Originell, leicht und fruchtig, ein runder Abschluss.

Lassen Sie sich überraschen von Oliver Preding, der die Seiten seines privaten Kochbuches innovativ und unbekümmert beschreibt und sich beim Mountainbiken erholt. Wir sitzen und genießen, der Restaurantleiter empfiehlt uns das „Dachsfilet“ aus dem Weingut von Donatus, Prinz von Hessen, einen Spitzen Riesling, neu ist die Maischegärung.

Unser Blick wandert durch den hohen Raum, zum marmorroten Kamin, über die Ölgemälde königlicher Ahnen, in der Rückwand ist eine hölzerne Kanzel eingelassen, die die Musiker verbarg, die damals aufspielten, durch die Fenster lockt das satte Regengrün des Golfrasens (18 Lochplatz) im weitläufigen Park zu einem Spaziergang. Hausschirme stehen zur Verfügung.

Auffallend ist der professionelle, warmherzige Service, selbstverständlich wird die Freundin von einem rotlivrierten Chauffeur im Jaguar abgeholt, als die Schreiberin nach einer Busverbindung zum Hotel fragt...

Es gibt 60 liebevoll eingerichtete Zimmer und Suiten, mit edlen Toile-de-Jouy-Tapeten, mit Antiquitäten aus der Sammlung - in ihrem speziellen Fall entdeckt die Schreiberin zwei signierte Bilder der begabten Kaiserin Victoria - und selbstverständlich zeitgemäß ausgestattet mit TV und Internetnutzung, üppiger Sommerobstetagere, kostenloser Minibar, einem großzügigen Bad. Herz, was willst du mehr? Der Leib kann sich in der Beauty Cottage im Pförtnerhaus verwöhnen lassen.

Die Zeit ist keineswegs stehen geblieben im Schlosshotel Kronberg, im Museum zum Anfassen, und wir dürfen einen Zipfel der alten ergreifen.

 

* Friedrich Stoltze, Frankfurter Mundartdichter 

Autor: Margret Buchner

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