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Restaurant des Monats

arrow left März 2013: Anastasia, Russischer Hof, Weimar, Deutschland arrow right

Kontaktdaten

 
Hotel: Russischer Hof
Adresse: Goetheplatz 2
99423 Weimar
Küchenchef: Andreas Scholz
Kategorie: Mediterran
+49 (3643) 77 48 14

Endlich einmal Weimar. Diese kleine Stadt an der Ilm, die ihre kulturelle Bedeutung aus der Klassik konsequent bis in die Neuzeit ausdehnt, muss man gesehen haben. Vor dem Nationaltheater begrüßen Goethe und Schiller in Bronze die Schreiberin, dank der ehrerbietenden Interpretation des Bildhauers beide gleich groß. Einen Rundgang durch das historische Weimar hat sie sich verdient, bevor sie im Russischen Hof absteigt, ganz wie in höfischen Zeiten. Durch die Vermählung des herzoglichen Erbprinzen Carl Friedrich mit der Zarenschwester Maria Pawlowna klinkte sich 1804 das Haus Romanow in das Hochzeitskarussell des Herzogtums von Sachsen-Weimar-Eisenach ein und blieb bis auf die Unterbrechung der nationalistischen Hysterie namensgebend für das Gasthaus am Goetheplatz. Der Wandel der Zeiten hatte dem 200 Jahre alten Fachwerkbau übel mitgespielt, sodass das Haus erst 1999 in seiner alten wiederbelebten Pracht als Grandhotel erstrahlt. Rechtzeitig zum Beginn des Kulturhauptstadtjahres.

Das Gourmetrestaurant Anastasia ist eine Hommage an die letzte Zarentochter. Sie hatte ihre vornehme Verwandtschaft im Russischen Hof untergebracht. „Höfische Atmosphäre, gediegene Eleganz“ beschreibt der Gault Millau das Restaurant, und es stimmt, was die Eleganz betrifft, behaglich und distinguiert sitzt es sich. In der Vorfreude auf ein Gourmetmenü, dem auch Goethe Beifall gespendet haben dürfte. Man erzählt sich, dass er hier verköstigt wurde.

Andreas Scholz, 1971 in Langen geboren, leidenschaftlicher Eintracht Frankfurt-Fan, ist seit 2009 Chef de Cuisine und Gastgeber. Zusammen mit seiner Frau Stefanie, Sous Chef, hat er das Anastasia 2009 gepachtet, seit 2003 arbeitet er mit einer Unterbrechung von 1 ½ Jahren im Russischen Hof. Insgesamt können 4 Köche und 2 Azubis bis zu 50 Gäste verwöhnen. Maître Philip Stahl serviert und berät unaufdringlich.

Scholz‘ Werdegang war ihm in die Wiege gelegt, die Eltern führten ein gutbürgerliches Lokal. Im Schwarzwald und Bayrischen Wald hat er gelernt. Er nennt seine Stationen knapp: Deutschland, Schweden, Österreich, Frankreich. Wobei er ein großer Fan von Schweden ist, er und seine Frau sprechen die Sprache und schwärmen vom kleinperligen Kaviar.

In seinen Wanderjahren durchlief er von Steakhaus bis Gourmetrestaurant alle Sparten der Gastronomie. Seine Lehrmeister sind: Jörg Müller auf Sylt; Michael Fell, Rottach Egern; Holger Stromberg, heute in München; Alexander Dressel, heute Hotel Bayrisches Haus in Potsdam.

Ein junger Wilder war er, erzählt er, die braucht heute niemand mehr, denn deren Ziel, den Beruf des Kochs in der Gesellschaft zu positionieren, ist erreicht. Andreas Scholz, der blonde Breite, sichtlich Abgespeckte, kocht modern auf klassischen Wurzeln.

Messer sammelt er, nicht ganz so exzessiv wie Kochbücher. Wie viele er davon hat, weiß er nicht, aber er wird nicht müde, in ihnen zu schmökern, getreu seinem Motto: Wer meint, was Neues gekocht/erfunden zu haben, hat nur wenig gelesen. Ein sympathisch ehrlicher Mensch, so ist auch seine Küche. Durchaus dank der neuen Techniken, obwohl er zum Kochen nur eine Feuerstelle und gute Produkte braucht, wie er lachend versichert.

Der Start zu jedem neuen Essen ist aufregend. Das Anastasia hat den Test bestanden mit dem selbstgebackenen Brot und Rotweinbutter und der amuse, einer pikanten Jagdwurst aus Spanferkel kreiert, mit Linsen, süßsauer. Es folgen Brust und zierlich fingerfertiges Keulchen vom Maisstubenküken an mariniertem Wintergemüse. Unverfälschter Eigengeschmack, besonders der bissfeste Kürbis. Dann Ochsenschwanz - Essenz und Knusper, in Canneloni gefüllt. Eine kleine Esspause braucht’s vor der gebratenen Jakobsmuschel auf Couscous, mit zart geschmorter Powerade. Köstlich der in Minze geräucherte Lammrücken mit Karotten-Kombuchapüree und knusprigen Kartoffelkrapfen. Ein begabter Fleischkoch, dieser Andreas Scholz. Obwohl er auch aus dem Stand ein 5-gängiges vegetarisches Menü zubereiten kann, sagt er.

Die Präsentation der einzelnen Gänge ist angenehm klar, nie überkandidelt, das Produkt vordergründig. Der verliehene Bib Gourmand, das kulinarische Michelinmännchen, seit seiner Inthronisation 1926 zeitgemäß abgemagert, gilt als Symbol für sorgfältige, bodenständige Küche.

Es lohnt sich gleichermaßen, bei kleinem Hunger à la carte zu essen. Aber nie die weiße Schokoladenpraline mit Zitronencreme, Baiser und Waldbeerensorbet von Stefanie Scholz auslassen!

Man darf weiterhin Besonderes erwarten im Anastasia, und dass Scholz als heimlicher Mittelfeldspieler unter den ersten 5 der top-10 Köche in Thüringen seine Bälle verteilt.

Autor: Margret Buchner

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