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Restaurant des Monats

arrow left November 2015: Meisenheimer Hof, Meisenheimer Hof, Meisenheim, Deutschland arrow right

Kontaktdaten

 
Hotel: Meisenheimer Hof
Adresse: Obergasse 33
55590 Meisenheim
Küchenchef: Markus Pape
Kategorie: Regionale Küche
+49 (6753) 1237780
image of Markus Pape
Chef de Cuisine
Markus Pape

Reisender, kommst du nach Meisenheim, ... da lass dich anstecken von Entschleunigung, Schönheit und Genuss.

Reisender, kommst du nach Meisenheim, im Tal des Flusses Glan gelegen, wo sich Hessen und Rheinland, Bayern und Preußen begrüßen, da lass dich anstecken von Entschleunigung, Schönheit und Genuss. Du kommst in eine kleine Stadt, die scheinbar aus der Zeit gefallen ist. Wie die Meise auf rotem Grund, die fälschlicherweise als Wappentier fungiert, obwohl sich der Name vermutlich von einem fränkischen Gründer Meiso (7. Jh. n. Chr.) ableitet.  Alles, was sich der von der Technik überforderte Zeitgenosse ersehnt, das findet er hier. Die festlich begangene 700 Jahrfeier klingt aus, seit 500 Jahren lebt diese Stadt „en miniature“ ohne Kriegszerstörungen, die wunderschöne Bausubstanz dankt es, und wir dürfen einen Hauch europäischer Geschichte atmen. Auf angenehme Weise.

In den Räumen des Meisenheimer Hofes. Ein geschmackvolles Haus, antik und erlesen renoviert, sehr sympathisch die modernen Akzente in den Bildern des Berliner Malers Matthias Zinn. Die individuell eingerichteten Zimmer des Hotels - seit mindestens 1699 als Gasthof ausgewiesen, seit 2013 ein Weinhotel der besonderen Art - tragen z. T. historische Namen, die auf Protagonisten Meisenheims deuten. Selbstverständlich gehört ein Weingut dazu. Die Klostermühle Odernheim. Und die Boos von Waldecksche Hofbrennerei, gegenüber vom Hotel. Ein über 800 Jahre alter denkmalgeschützter Adelshof mit einzigartigen Veranstaltungsräumen, charmant betreut von Charlotte Held. Ihre eloquente Führung und Weinprobe stimmt uns auf den Abend im Gourmetrestaurant „Blume“ ein. Da darf sie sich entfalten. Markus Pape, Küchenchef, Geschäftsführer und Gesellschafter im Meisenheimer Hof, geboren 1981 im Sauerland, hat schon viel erreicht. Nach den berufstypischen Wanderjahren in der renommierten Küchenszene. Bodenständig vom Wesen her, bodenständig, was Zukunftsvisionen betrifft. Das Hier und Jetzt ist maßgebend.

Die Küche, von außen einsehbar, ist das Herzstück des Hauses. Hier erfüllt das engagierte Team um Pape seine kreative  Mission, 3 Restaurants zu bespielen. Der Bib Gourmand steht gutgelaunt Pate. Man spürt, hier wird mit Spaß gekocht. Wir sitzen in der „Blume“, der gudde Stubb, ein klar und sensibel ausgestatteter Raum. Nein, nicht ausgestattet, hervor geholt, was in ihm steckte oder der Zeit entsprach, der Felderboden mit originalen Holzdielen, die gemalte Blumenbordüre um 1900. Keine altertümliche Überfrachtung. Schöne Kirschholztische, weiße Serviettenbahnen, weißes Villeroy und Boch-Geschirr. Wir warten voller Vorfreude. 

Das Präludium beginnt obligatorisch mit Brot und einer Paprikacreme, führt uns zum Gruß aus der Küche: Matjes und Kaviar, eine Praline aus geräucherter Forelle in einem appetitlichen Höfchen, eingefriedet durch einen knusprigen Brotzaun, um uns dann ganz dem feinen Dreierlei von der Gänseleber hinzugeben, begleitet von einem Hauch Himmel und Erde-Salat. Wenn Himmel und Erde zusammenkommen, verschwindet jegliches schlechte Gewissen. Auch beim cremigen Hummersüppchen; Pape kommt gerade vom Hummerfang aus Schweden zurück. Mein Begleiter löffelt verzückt, nachdem er voreilig sein Gesicht verzogen hat wegen „Seegewerm un Schnecke“. Das Süppchen mit seiner Erbsenschaumkrone, flankiert von einem Garnelenflan, schmeckt aber auch zu delikat, süßlich, volles Aroma.

Wir trinken einen Grauburgunder vom Weingut Odernheim, leicht nussig. Passt perfekt, prickelt mineralisch zum Nordsee Kabeljau, der auf Karotten-, Zitronengraspüree gebettet wunderbar belebt. Vom Fischfang bedrohte Arten sollten in den verantwortungsvollen Händen ambitionierter Köche wie Markus Pape ruhen. Behutsam eingesetzt als feinmundige Ahnung von unverfälschtem Geschmack. Das gleiche gilt für das Fleisch. Im Hauptgang haben wir es mit dem berühmten Glanrind zu tun, dessen Zucht 1773 auf Christian IV, Herzog von Pfalz-Zweibrücken zurück geht. (Mein sehr schönes geräumiges Zimmer war nach ihm benannt.) Zart und kräftig Filet und Short Rib, dazu dreierlei Blumenkohl, apart die gehobelten Scheibchen, schmiegsam das lila Mus des Urblumenkohles. Markus Pape liebt Variationen eines Produktes. Seine Bandbreite zeigt sich in den auffallend wesentlichen Tellern: Nie ist man vom Produkt abgelenkt. Das macht ein Dinner bei ihm spannend. Man möchte den nächsten Kartenwechsel in sechs Wochen erleben, was wird er wie modifizieren?

Vielleicht schlägt bei seiner Kochkunst der Sauerländer durch: kein Spektakel, richtig gut und ehrlich, bevorzugt regional, qualitätsbewusst, mit einer ansprechenden Präsentation. Wie die meisten Köche reist Pape gern, mit Frau und Kind, schult Geschmacksnerven und Blick über Landesgrenzen, verarbeitet Gesehenes als Option und nicht unter dem Druck eines inneren Größenwahns. Auch beim Finale, dem Dessert „Unser Snickers“ hält er seine klare Linie hoch. Und es schmeckt herzerwärmend. Wir fühlen uns auf eine heimelige Art eingebunden in Schönheit und Genuss. Im Meisenheimer Hof. 

Autor: Margret Buchner

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