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Restaurant des Monats

arrow left Januar 2011: Segreto, Wittenbach, Schweiz

Kontaktdaten

 
Adresse: Abacus-Platz 1
9301 Wittenbach
Küchenchef: Martin Benninger
Kategorie: Mediterran
0041 (71) 290 1111
0041 (71) 290 1117

Segreto - Geheimnis. Hoffentlich hat das vergangene Weihnachtsfest die geheimsten Wünsche zum Entzücken aller Beteiligten offengelegt und erfüllt, wohingegen indiskrete Geheimnisplaudertaschen geächtet werden, aber kaum zu umgehen sind. Nicht umgehen sollten wir St. Gallen, das seinen Namen von Gallus, einem jungen irischen Wandermönch hat. Dieser schickte sich im 7. Jahrhundert an, mit seinem Lehrer Columban die Helvetier zu bekehren. Wie es Eiferer handhaben, mit drastischen Methoden. In unserem Fall, indem sie die lokalen Gottheiten kaltblütig in den See warfen. Die stolzen Einheimischen rächten sich an der empfindlichsten Stelle des Menschen, dem Magen, und verweigerten den Mönchen jegliche Nahrung.

Dem Himmel, der Neuzeit und der Kochkunst sei Dank. Das Restaurant Segreto in Wittenbach- St. Gallen freut sich auf Gäste.

Sein Geheimnis hinter dem buchstabenpurzelnden Logo lässt sich wohlschmeckend lüften. Architektonisch bietet das Anwesen einen aparten Kontrast zum gläsernen Turm der ABACUS Research.

Schon der Aufgang über die Pferdestufen, rechts blühende Pflanzen, links eine Freiluft-Lounge, gerahmt von Zypressen, lässt im toskanischen Steinhaus Mediterranes erwarten. Im eleganten, farblich weich abgestimmten Restaurant mit 50 Plätzen, dem Sesam-öffne-dich Wintergarten, respektive der Terrasse mit 40 Plätzen an einem flachen Swimmingpool kommt Urlaubsheiterkeit auf. Innen ergänzt eine Apéro-cantina, eine Kuschelspielecke für die Kleinsten und wichtig in Zeiten der Mesalliance zwischen Nichtrauchern und Afficionados, gibt’s eine intime Cigar- Lounge.

 Das feine eigenständische Restaurant bereichert die Mittagspausen der Businessmenschen aus den umliegenden Büros und gewährt Gourmets andächtige Muse für die leichten innovativen Kreationen des Chef de cuisine.

Martin Benninger, geb.1980 im niederbayrischen Eggenfelden, hat es früh in die Küchen der Welt getrieben. Kein Wunder, wo er schon in seinem Kinderfasching inmitten der Cowboybuben nur als Koch verkleidet gehen wollte. Gänzlich ohne gastronomischen Elternhintergrund. Nach seiner Lehre im Fürstenhof/Bad Griesbach kommt er über die Obauers in Werfen zu André Jäger nach Schaffhausen; bei Joachim Splichal in Los Angeles kocht er einsternig, nebenbei wird sein Schulenglisch poliert. Danach arbeitet er zwei Jahre bei Heinz Winkler, dem respektvollen Granden mit drei Sternen, der vermittelt ihn zu Heinz Beck ins Hilton Rom, ebenfalls von drei Sternen gekrönt. Mittlerweile weiß Benninger, was er sich schuldig ist, um an die Trophäe zu kommen.

 Er studiert an der Hotelfachschule Heidelberg die küchenmeisterlichen Basisbedingungen, unumgänglich um ein eigenes Lokal zu leiten. So schwingt er im Segreto sympathisch und mit großem Elan den Kochlöffel,getrieben von der Vision aller engagierten Köche, aus dem Hoffnungsvorhof der rising stars an den kreativ erkochten Stern zu kommen. Benninger und seine eingespielte Crew unter dem kompetenten Chef de Service Alberto Provenza und dessen Devise: Chi si ferma è perduto" entwickeln wöchentlich ein neues Menu, austauschbar für passionierte Wiederholungsesser. Die Gastgeber wollen nur eines: Dass wir, die Gäste, uns wohlfühlen. Ein prickelndes Vergnügen bereitet es, am Captain’s Table in der Küche die Choreografie des Teams vollmundig zu bewundern.

 Die Schreiberin genießt im Restaurant die Mittagsvariante und muss sich beherrschen beim frischgebackenen Brot, den Grissinis und den leckeren Pasten. Die reichhaltige Weinkarte testet sie bei einem frischen Chardonnay. Mit einem Tässchen fluffigen Kohlrabimus und Zander in Kohlrabi-Julienne grüßt die Küche und macht neugierig, ins Vitello tonnato 2010 möchte sie tauchen, doch die originell interpretierte Pasta carbonara lockt.

Wie auch das Filet vom Rind, butterzart auf einem Spiegel von leichter Karottenmousseline, dazu wunderbar krosse Kartoffelpuffertürmchen. Am Strudel-Dessert, von Eiskreationen begleitet, nippt sie nur noch, die leckeren Pralinen fungieren als Wegzehrung.

 Die braucht man für die Heimreise. Vorher ist dringend ein Besuch in der eindrucksvollen Stiftskirche aus dem Spätbarock angesagt, desgleichen ein ehrfürchtiger Blick in die älteste Bibliothek der Schweiz.

Das Heer der grauen Filzschlappen wartet vor dem Heiligtum, Hürlimanns Fräulein Stark lässt grüßen. Und hier im Wissensschatz der Folianten löst sich das Rätsel ums Überleben von Gallus und Columban: Während ihrer Hungersnot soll sich der Himmel geöffnet haben, und es regnete drei Tage lang gebratene Wachteln.

Gruezi mitanand, das kann nur in der kulinarischen Schweiz passieren.

Lassen Sie sich überraschen, was das Segreto alles auf der Pfanne hat. Und ob der Himmel mit einem Stern dankt.

Autor: Margret Buchner

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