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Das Comeback des Malerhauses

Es ist eines der ältesten Häuser des im Ortenaukreis gelegenen Ortes Acherns, das 175 Jahre alte Wohn- und Handwerkerhaus des Malermeisters Albert Klumpp. Schief, verwinkelt, angegammelt stand es an der Hauptstraße und weil die Hecken im Vorgarten immer höher wucherten, verschwand es im Laufe der Zeit vor den Augen der Bürger. Vergessen und verloren, stand 2012 der Abriss zur Debatte. Wer genauer hinsah, konnte damals etwas ganz anderes erkennen: Ein Haus mit verblasster Schönheit, verwunschenem Charme und zeitloser Würde. Ein Haus, dessen Seele nur verschüttet war! Das ist die Geschichte, wie das Haus eine neue Seele bekam:

Es ist dieser Kombination aus glücklichen Zufällen zu verdanken, dass sich das Schicksal des Klumppschen Malerhauses fügte. Eine Postbotin verteilte auf ihrer Tour nicht nur Briefe, sondern auch die Kunde von den Abrissplänen der Stadt. Monatelang suchte sie, die Liebhaberin alter Häuser, nach Investoren, die sich von den baulichen Narben und Falten des Malerhauses nicht abschrecken ließen; die nicht nur in Euro, sondern bereit waren, sich für den Erhalt des Hauses zu engagieren. In letzter Minute fand die Hausretterin ein Investorenpaar aus Achern, das nicht nur besichtigte, sondern kaufte und tatkräftig umgestaltete.      Die Vorstellungen von Ausbessern, Restaurieren und Retten, was sich irgendwie erhalten ließe, war angesichts der schlechten Bausubstanz schwierig. Schließlich gab der Bauherr die gemeinsame Marschrichtung vor: „Wir erhalten das Alte, kennzeichnen es durchaus, aber wir implementieren überall wo nicht sichtbar, die für heutige Nutzung unabdingbare Technik. Und wo das Altgebäude zwingend zusätzlichen Raum brauchte, wurde er neu geschaffen, unterirdisch und in einem rückwärtigen Anbau. Dies war der beschlossenen künftigen Nutzung als gastronomischer Betrieb mit dem Garten als „Sommerwirtschaft“ geschuldet. 

Schwierige Aufgabe für den Architekten

Das bescherte dem linken Giebel und allen Fenstern - unter Beibehaltung der historischen Öffnungen - zusätzlich eine 3cm starke F90 Brandschutzverglasung, in der Folge ließen sich aber die Fenster nicht mehr öffnen. Die kleinen Stuben brauchten jetzt eine Klimaanlage und wegen den niederen Raumhöhen eine Brandmeldeanlage. Zusatzkosten für den Investor im sechsstelligen Bereich. Und so ging es weiter: Obwohl das Gebäude nach der Landesbauordnung Baden-Württemberg der Gebäudeklasse II zuzurechnen ist, wurde ein zweiter Rettungsweg von der Baurechtsbehörde gefordert. Nur die Flexibilität und der Wille zur Realisierung verhalfen dem Projekt schließlich zur Realisierung. Charakter und Struktur des Hauses blieben trotz finanziellem und technischem Mehraufwand erhalten. Statik und alle Gerätschaften für Brandschutz, Klimatechnik, Zu- und Abluft, elektronische Gebäudesteuerung, Elektronikbeleuchtungssysteme, Lastenaufzug und Kleingüteraufzug vom Kellerlager bis in den ersten Stock, wurden hinter der alten Fassade so versteckt, dass der Gast überhaupt nichts davon bemerkt. Der Architekt fand schließlich, dies sei: „ ...die bisher schwierigste Aufgabe in meinem Berufsleben!“ Zwei Dinge seien ihm wichtig gewesen. "Dass man bei allem Respekt vor dem Alten nicht in Heimat-Tümmelei verfallen ist oder ein Denkmal errichten wollte!“. Außen und innen spricht das Malerhaus eine klare Sprache, inspiriert vom Geist der Zeit. Das schmälert das Original nicht. Und: "Der Grundcharakter des Hauses ist erhalten geblieben, obwohl er durch die Umnutzung zum Gasthaus verändert wurde, aber unsichtbar!“. Zwei Jahre dauerte die Restaurierung. Am 6. Juni 2014 eröffnete das 1839Malerhaus, benannt nach seinem Baujahr, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart treffen.

Aus der Malerwekstatt wurde ein Bistro

Am 6. Juni 2014 feierte es als „1839Malerhaus – das Gasthaus“ sein Comeback. Mit einem durchdachten Konzept ging man an den Start: Gutes Essen in lockerer Atmosphäre. Im Sommer mit einem großen Garten mit Außenküche, im Winter in kleinen Zimmern, niederen Decken und einer Malerwerkstatt, die zum Bistro wurde. Das wurde nach kurzer Zeit schon mit dem Bib-Gourmand 2015 belohnt. Dreh- und Angelpunkt im Malerhaus sind die kleinen Stuben mit den runden Tischen, die niederen Decken mit kunstvollen Verzierungen, einer handwerklichen Spezialität des Dekorationsmalers Klumpp. Das Haus hat Atmosphäre, schlecht zu beschreiben aber für jeden, der zu Besuch kommt, sofort zu verstehen. Da ein kleines Zimmer, da ein abgeschlossener Raum und hier geht’s nach oben in den nächsten Stock. Und im Erdgeschoss bietet die alte Malerwerkstatt über die ganze Haustiefe einen Bistrocharakter mit kleinen Zweiertischen.

Vertrautes und Unbekanntes

Mit Leben für den Gast füllt Patron und gastronomischer Leiter, Gutbert Fallert und sein junges Team, das einen lockeren, zuvorkommenden Service abliefert, das 1839Malerhaus. Mit Küchenchef Alex Seifermann entwirft er die saisonabhängige Karte. Das Angebot wechselt laufend. „Tagesfrische Produkte sind der Maßstab unserer Kochideen“, heißt die Devise. Aus denen entwickeln sie durchdachte Gerichte und Menüs, immer etwas Originelles und Frisches, häufig auch etwas ganz Einfaches.  Gutbert Fallert wird seit 1977 für seine Küche mit badischen Wurzeln in der Talmühle Sasbachwalden mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Seifermann hat sich in der weiten Welt umgesehen. Die Spuren seiner Reisen findet der Gast auf seinem Teller. Aufgetischt werden z.B. verschiedene kleine Vorspeisen, Tapas mit Zutaten aus dem Schwarzwald, bis hin zu südländischen Klassikern, z.B. das bei Niedrigtemperatur gegarte Presa Iberico Bellota, oder das Cous-Cous-Gericht mit Safran und Kürbis, oder doch eine Linsensuppe mit Curryaromen? Auch mit badischen Klassikern, Steaks vom Grill und Pasta-Gerichten - neben einer erstklassigen Weinauswahl - motiviert man die Gäste zu einem Besuch. Die Vielfalt auf der Karte soll den Gast überraschen. „Damit er Lust bekommt auf Vertrautes ebenso wie auf Unbekanntes!“, sagt Gutbert Fallert. Bei Alex Seifermann weiß die rechte Hand weiß, was die linke tut. Das sagt der Patron über seinen Küchenchef. Er teilt mit Gutbert Fallert die Liebe zur saisonalen Heimatküche, bringt jedoch zusätzlich seine eigene Handschrift mit. Mit teils unkonventionellen Aromen setzt er neue Akzente: Ingwer, Chili, Zimt, Kardamom, Koriander; Zutaten, die immer wieder für eine überraschende Interpretation von Gerichten sorgen. Die Gäste sind begeistert, der Patron auch. Der Bühler wirkte in 35 Jahren an 21 Herd-Stationen. In dieser Zeit war das einzig Konstante die Veränderung. Seine Wanderjahre beginnen 1984 auf Sylt bei Sternekoch Jörg Müller. Weitere Zwischenstationen waren das Excelsior in Arosa; er arbeitete als Patissier, Saucier und Rotisseur bei Albert Bouley. Im Restaurant Top Air (1 Stern) am Stuttgarter Flughafen war er Küchenchef. Aber auch auf Burg Windeck in Bühl sowie in Zürich im Restaurant TAO’S überraschte der 53-Jährige - wie jetzt im 1839Malerhaus - seine Gäste mit frischen Ideen.

Essen auch im "Family Style"

Für Gruppen und Familien sind die kleinen Ess-Zimmer, die einstigen Wohn- und Schlafstuben der Malerfamilie Albert Klumpp, ideal. Sie kann man als komplettes Zimmer reservieren und is(s)t ungestört, schwatzt und genießt das Zusammensein und das gute Essen. Ganz besonders sind Familien von Gerichten im „Family Style“ begeistert: Man serviert gefüllte Schüsseln, die Mutter kann schöpfen!! Da gibt es Pasta-Gerichte in Schüsseln mit dampfendem Inhalt oder Eintöpfe und Suppen, so viel, dass keiner hungrig bleibt. Jeder kann sich schöpfen wie er mag. Nur kochen und abwaschen muss man hier nicht. Im Sommer geht es dann in den wunderschönen Garten, den man in der Stadt so nicht erwartet. Dort wird von einer kompletten Außenküche aus gearbeitet, der Gast sieht den Koch arbeiten; der Koch sieht den Gast essen, lebendige Kommunikation. Das 1839Malerhaus ist voller Geschichte und erzählt Geschichten. Überall erinnern Fundstücke und vor allem Malereien an das Klumppsche Kunsthandwerk, das jetzt von der Kochkunst ergänzt wird. Das freut Einheimische, die ihren vertrauten Ort wieder haben und wenn sie zum Essen kommen, auch irgendwie ein bisschen heimkommen. Das freut aber auch den auswärtigen Besucher, der ein Gasthaus findet, das in Form und Inhalt ein Juwel ist.
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