Zur Hauptnavigation springen Zum Fussbereich springen

Gusto 2027

Sonderauszeichnungen in sechs Kategorien

(6. Oktober 2026) - Zum Abschluss der Testsaison 2025/2026 vergibt Gusto, der von Köchen, Gastronomen und Foodies neben dem Guide Michelin als maßgeblichster deutscher Restaurantführer eingestuft wird, Anfang Oktober wie jedes Jahr Plaketten und Urkunden an die knapp 1.000 anonym getesteten Lokale. Zeitgleich veröffentlicht der Guide seine Sonderauszeichnungen: So wird etwa Sebastian Obendorfer vom Restaurant Eisvogel im oberpfälzischen Neunburg vorm Wald zum Koch des Jahres gekürt. Zugleich kritisiert Gusto das wachsende Überangebot an dezidierten Fine-Dining-Konzepten in Deutschland. Es fehle an Restaurants, die in entspannter Atmosphäre ohne stundenlanges und minutiös durchchoreografiertes Prozedere einfach sehr gut auf hohem Niveau kochen.

Dass die meisten Gourmetrestaurants in Deutschland derzeit weniger gefragt sind als noch vor einigen Jahren und selbst in renommierten, hoch bewerteten Häusern auch an den Wochenenden kurzfristig Tische verfügbar sind, liegt nach Einschätzung von Redaktionsleiter und Gusto-Gründer Markus Oberhäußer nicht allein an der durch gestiegene Preise, die fragile Wirtschaftslage und weltpolitische Unsicherheiten getrübten Stimmung. Eine weitere Ursache sei das deutliche Überangebot an Fine-Dining-Konzepten. Zu viele ambitionierte Köche und Gastronomen konzentrieren sich, vor allem mit Blick auf bestimmte Auszeichnungen, ausschließlich auf ein aufwendiges Gourmetprogramm. Andere ergänzen ihren regulären Gastronomiebetrieb um ein kleines Separee mit exklusivem Fine Dining – meist nur an wenigen Abenden in der Woche und mit einem fest vorgegebenen Menü.

Die Lokale, in denen innerhalb eines ganz entspannten Rahmens und ohne die schablonenhaften „Sternerestaurant“-Statuten einfach nur sehr gut auf hohem Niveau gekocht wird, sind hingegen deutlich in der Minderheit. Und weil zum einen das Gourmetpublikum in den vergangenen Jahren nicht im gleichen Maß gewachsen ist wie die Zahl der Fine-Dining-Restaurants, sich zum anderen viele kulinarische Konzepte zu stark ähneln, wägen interessierte Feinschmecker mittlerweile eben sehr genau ab, wie oft und vor allem wo sie sich den kostspieligen Genuss gönnen.

Doch es gibt es in Deutschland erfreulicherweise auch zahlreiche Individualisten mit spannenden Konzepten und im besten Fall einer unverwechselbaren Handschrift, deren Restaurants weiterhin sehr gut besucht sind. Ihnen gilt nicht nur mit Blick auf die jährlichen Sonderauszeichnungen das besondere Interesse des kulinarischen Reiseführers Gusto. Grundsätzlich aber versteht es der Guide, der die besten Restaurants mit bis zu zehn symbolisierten Pfannen auszeichnet, als seine primäre Aufgabe, genussaffinen Gästen jenseits von Präferenzen und Bewertungen fundierte Orientierung zu bieten, und sie auf das jeweilige Gasthaus aufmerksam zu machen, das ihren individuellen Vorlieben und Bedürfnissen am besten entspricht. Als App und Online-Guide ist Gusto mobil und aktuell verfügbar – mit Standortfunktion und nützlichen Filtern, etwa für die Suche nach Öffnungszeiten.

Koch des Jahres: Sebastian Obendorfer (Eisvogel, Neunburg vorm Wald)

Seit Junior-Chef Sebastian Obendorfer die Verantwortung für das gastronomische Aushängeschild des familiengeführten Wellnesshotels übernommen hat, konnte sich der Eisvogel im als Spa & Genuss Resort firmierenden Birkenhof noch einmal in neue Höhen aufschwingen, um mittlerweile ganz vorne mitzuspielen. Die Gerichte unseres Kochs des Jahres folgen stets klaren Ideen, sind transparent und dennoch enorm verdichtet. Großartige Produkte stellt er nicht einfach zum Bestaunen ins Schaufenster, sondern verwendet ihre kompromisslose Güte, um den Kreationen mehr Präsenz und Plastizität zu verleihen. Was ihn außerdem von den meisten anderen, auf den ersten Blick vielleicht ähnlich arbeitenden Köchen abhebt, ist seine überdurchschnittliche kulinarische Intelligenz. Die ermöglicht es ihm, Gerichte zu kreieren, die sie sich am Gaumen der Gäste sukzessive immer weiter auffächern und nicht selten eine kaleidoskopische Komplexität erreichen.

Aufsteiger des Jahres: Ronny Pester (Ratsstube, Limbach-Oberfrohna)

Wer wie Ronny Pester einen derart rasanten Durchmarsch vom absoluten Geheimtipp ins Spitzenfeld der sächsischen Kochelite macht und währenddessen auch noch unterhalb des Radars der breiten Gourmetöffentlichkeit fliegt, ist ein würdiger Aufsteiger des Jahres für Gusto. Auf den Tellern seines erstaunlich hochklassigen Gourmetmenüs, das er in der unscheinbar klingenden Ratsstube im beschaulichen Limbach-Oberfrohna kredenzt, geht es um klare Aromen und bewährte Produkte, die auf klassischem Fundament gebaut und mit intelligenten, modernen Akzenten in Szene gesetzt werden. Die Präzision, mit der hier jeder einzelne Gang inszeniert wird, hat in den vergangenen ein, zwei Jahren enorm angezogen – was umso erstaunlicher ist, als dass es hier zum einen keinen Sponsor und kein Hotel im Hintergrund gibt und Ronny Pester zum anderen nicht in einer der deutschen Wein- und Genusshochburgen oder mondänen Urlaubsregionen kocht. Somit eine der ganz großen Überraschungen in der vergangenen Testsaison!

Newcomer des Jahres: Jens Madsen (The Cloud by Käfer, München)

Unter der Überschrift „Culinary Nomadism“ etablierte das erst 31-jährige Ausnahmetalent für das The Cloud by Käfer in der BWW-Welt ein sehr individuelles Konzept mit einem völlig neuen Ansatz. Das sieht vor, dass der Chef fortan in jedem Jahr einen anderen Erdteil bereist, um die dort gesammelten Eindrücke schließlich möglichst authentisch in Gestalt der jeweils typischen Produkte, Zubereitungsarten und Präsentationsformen in seinen Küchenstil einzubetten. Das ist nicht nur eine sehr kreative Herangehensweise, mit der unser Newcomer des Jahres sich erfreulich weit von den ausgetretenen Gourmetküchenpfaden entfernt – er hat dank einer hervorragenden klassischen Ausbildung bei verschiedenen Größen der Zunft auch das kochtechnische Knowhow und das Feingespür, diese Inspirationen auf sehr hohem Niveau umzusetzen. Wir sind uns sehr sicher, dass man von Jens Madsen in Zukunft noch sehr viel hören wird!

Sommelier des Jahres: Claudius Unger, St. Andreas, Aue

Dass Claudius Unger der wahrscheinlich beste Sommelier Sachsens ist, versteht sich aufgrund der überschaubaren Konkurrenzsituation fast schon von selbst. Doch auch bundesweit spielt der sympathische und hochkundige Weinfachmann und Hotelier in unseren Augen mittlerweile ganz weit oben mit. Neben einer überdurchschnittlich großen Riesling-Auswahl ist auch das Burgund mit einigen der besten und auch interessantesten Erzeuger in seinem mit Hingabe kuratierten Sortiment vertreten – zu wohlgemerkt sehr fairen Preisen und teils in beachtlicher Jahrgangstiefe. Neben der grandiosen Flaschenweinkarte begründete aber auch einmal mehr die glasweise zum Menü aus der Küche seines Bruders Benjamin ausgeschenkte Selektion unsere Entscheidung. Hier finden sich nicht selten beeindruckend große Weine für erstaunlich kleines Geld, zum Beispiel Sekt von Christmann & Kauffmann oder Auslese von Klaus-Peter Keller für unter 10 Euro das Glas.

Gastgeber des Jahres: Nicole und Marcus Blonkowsi, Genuss-Atelier, Dresden

Seit über zehn Jahren halten die Geschwister Nicole und Marcus Blonkowski nun schon in Dresden die Fahne des guten Geschmacks sehr weit hoch und tragen als sympathisch nahbare Gastgeber ihres Genuss-Ateliers unter dem charmanten Sandsteingewölbe einer Jugendstilvilla nahe der Waldschlößchenbrücke einen nicht unerheblichen Teil zur Demokratisierung von gehobener Gastronomie bei. Durch ihre fröhliche, lockere Art und die dadurch resultierende lebendige Atmosphäre in den stilvollen Gasträumen, senken sie die Hemmschwelle und lösen etwaige Vorbehalte ihrer Gäste gegenüber Fine Dining umgehend in Luft auf. Nicht zuletzt auch durch eine bei allem Anspruch äußerst zugängliche, unterhaltsame, und dazu noch gastfreundlich moderat bepreiste Küche, die nicht nur ein vier bis achtgängiges Menü, sondern auch eine schöne Auswahl an Gerichten à la carte bietet und den Gästen somit alle Freiheiten lässt.

Neueröffnung des Jahres : The Dune, Frankfurt am Main

Nicht nur das neue Hotel The Florentin der Althoff-Gruppe in der ehemaligen Villa Kennedy ist ein echtes Schmuckstück geworden, auch das darin beheimatete, zum Jahreswechsel 2025/2026 neu eröffnete Gourmetrestaurant The Dune setzt fortan Maßstäbe in der Mainmetropole. Es befindet sich gleich neben der Rezeption und verfügt statt eines Ausblicks in den schönen Innenhof über die Anmutung einer nächtlichen arabischen Szene: Dünengleich ziehen sich geschwungene Bänke entlang der Wände, teppichartige Elemente trennen den Raum, über Travertin, Leder, sandfarbenen Stoffen und allerlei warmen Erdtönen funkeln tausende winzige Lichter in einem dunkelblauen Nachthimmel. Durch den Raum wehen urbane Beats und die Gäste werde von Lea Rupp und Niclas Nußbaumer, die zuvor schon in der Mühle in Schluchsee als Gastgeberin und Küchenchef ein kongeniales Duo bildeten, ganz entspannt auf sehr hohem Niveau umsorgt und bekocht.

Die Bewertungen des Gusto im Überblick

10+ Pfannen

10 Pfannen

9+ Pfannen

9 Pfannen

8+ Pfannen

8 Pfannen

7+ Pfannen

7 PFannen

6+ Pfannen

6 Pfannen

5+ Pfannen

5 Pfannen

Gusto-Chef: "Es gibt zu viele Restaurantführer auf dem Markt"

Mehr >>

Gourmet-Club